Wie Ceratizit mit Recycling und universellen Bohrern Zerspanprozesse verändert
Die Zerspanungsindustrie steht vor einem Paradigmenwechsel: Ressourcenknappheit, verschärfte Klimaziele und steigende Materialkosten zwingen Werkzeughersteller zum Umdenken. Ceratizit zeigt mit seiner neuen WTX-Bohrergeneration und konsequentem Recycling, dass sich Höchstleistung und Nachhaltigkeit nicht ausschließen – sondern gegenseitig verstärken.
Die VHM-Bohrer-Serie WTX-UNI kombiniert die hohe Leistung eines vielseitigen Hochleistungsbohrers mit der Nachhaltigkeit des upGRADE Substrats CT-GS20Y.Ceratizit)
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Wolfram im Kreislauf: Vom
Schrott zur Hochleistung
Wie Blut durch Adern fließt
Wolfram durch die moderne Fertigungsindustrie. Es ist das Herz jedes
Hartmetallwerkzeugs, verleiht ihm seine legendäre Härte und Standfestigkeit.
Doch die Versorgung mit diesem strategischen Rohstoff gleicht einem
Drahtseilakt: Über 80 % der weltweiten Wolframproduktion konzentrieren sich in
China. "Wolfram ist essenziell für unsere Produkte. Es verleiht ihnen ihre
Härte, Haltbarkeit und Leistungsfähigkeit", erklärt Steffen Baur, Global
Product Strategy Manager für den Bereich Vollhartmetallwerkzeuge bei Ceratizit.
"Aber es ist auch ein strategisch sensibles Material."
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Die Antwort des Hartmetallspezialisten auf diese Herausforderung ist so einfach wie
wirkungsvoll: Recycling. "Wir sammeln Altmaterialien zum einen durch
unseren Recycling-Service direkt bei unseren Kunden, aber auch durch die Integration
von Stadler, Europas größtem Händler und Verarbeiter von Wolframschrott",
so Baur. Das Ergebnis dieser Strategie ist beeindruckend: Das upGRADE-Substrat
CT-GS20Y besteht zu 99 % aus wiederaufbereiteten Rohstoffen – ohne Kompromisse
bei der Leistung.
Steffen Baur ist seit 2012 bei der Ceratizit-Gruppe tätig und verantwortet als Produktmanager bzw. Global Product Strategy Manager den Bereich Vollhartmetallwerkzeuge.Ceratizit)
Zwei Wege zurück in den
Kreislauf
Ceratizit nutzt zwei bewährte
Verfahren zur Wiederaufbereitung: Das thermomechanische Recycling, auch
Zinkverfahren genannt, gewinnt direkt aus sortiertem Schrott pressfertiges
Hartmetallpulver. Hartmetallschrott wird dabei mit Zink behandelt und in den österreichischen
und finnischen Werken in eine Mischung aus Wolframkarbid und Bindemittel
zerlegt. "Beim chemischen Recycling gewinnen wir reines Wolframmetall oder
Wolframkarbid, das chemisch mit dem abgebauten Material identisch ist",
erläutert Baur den zweiten Prozessweg. Wolframkarbidschrott durchläuft dabei
ähnliche Verfahrensschritte wie bei Erzkonzentrat und wird in hochreine
Wolframpulver umgewandelt.
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Die Zahlen sprechen für sich:
Das Vormaterial aus dem upGRADE-Substrat weist nur etwa ein Drittel des Carbon
Footprint eines konventionellen Performance-Materials auf. Für Kunden ist diese
Transparenz Gold wert: "Unsere Kunden nutzen die Ceratizit-Product-Carbon-Footprint-Daten, um
ihre Scope-3-Emissionen präzise zu berechnen, CSRD-Anforderungen zu erfüllen
und Transparenz in der Lieferkette herzustellen", betont Baur.
WTX-UNI: Ein Bohrer für
(fast) alles
Während das Recycling die
Materialfrage löst, adressiert die neue WTX-UNI-Serie ein anderes Kernproblem
der Fertigungsindustrie: die Werkzeugvielfalt. Vorbei die Zeiten, in denen
Betriebe unterschiedliche Spezialbohrer für Stahl, rostfreien Stahl und Guss
bevorraten mussten. "Unsere universelle Bohrerlinie WTX-UNI bietet eine
Lösung für diese Probleme", erklärt Manuel Keller, Technical Product
Manager bei Ceratizit. "Durch ihre Vielseitigkeit ermöglicht sie präzise
Bohrungen in Stahl, rostfreiem Stahl, Guss und gehärteten Stählen bis 54
HRC."
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Die neue Geometrie mit
patentierten Merkmalen ist mehr als eine kosmetische Überarbeitung. Der WTX-UNI
mit zwei Führungsfasen wird im Durchmesserbereich von 3 bis 20 Millimetern in
den Bohrtiefen 3xD und 5xD angeboten – jeweils mit und ohne Innenkühlung. Die
patentierte Stirngeometrie mit konvexer Hauptschneide und einem Spitzenwinkel
von 140 Grad soll hohe Werkzeugstabilität gepaart mit gutem
Eigenzentrierverhalten sichern. Zusammen mit der modernen DPA74S-Beschichtung
und der sich öffnenden Nutform fließen Späne ungehindert ab und reduzieren die
Gefahr von Späneklemmern oder Werkzeugbruch, verspricht Ceratizit.
"Die Ausführung mit vier
Führungsfasen nennen wir WTX-Quattro", ergänzt Keller. "Diese Bohrer
sind immer mit Kühlkanälen ausgestattet und in den Bohrtiefen 5xD, 8xD und 12xD
verfügbar." Eine Besonderheit bei den tieferen Varianten: Der
Spitzenwinkel ändert sich auf 135 Grad, und lediglich der Kopfbereich ist mit
vier Führungsfasen sowie der DPA74S-Beschichtung versehen.
Tieflochbohren neu gedacht
Der Tieflochbohrer WTX-Deep UNI bietet maximale Prozesssicherheit und Zuverlässigkeit, da aufgrund seiner neuen Geometrie Werkzeugbruch und Ausschuss minimiert werden.Ceratizit)
Für anspruchsvolle
Tieflochbohrungen hat Ceratizit die WTX-Deep UNI entwickelt. Dank neuer
Geometrie und verbesserter Werkzeugstabilität minimiert der Tieflochbohrer
sowohl Werkzeugbruch als auch Ausschuss. Polierte Spanräume mit sich öffnender
Nutform ermöglichen besseren Spanabfluss und damit höhere Schnittwerte als beim
Vorgängerprodukt. Vier Führungsfasen gewährleisten hohe Bohrungs- und
Positionsgenauigkeit und verringern den Bohrungsverlauf auf ein Minimum. Das
lagerhaltige Portfolio umfasst Bohrtiefen von 16xD bis 50xD im
Durchmesserbereich von 3 bis 14 Millimetern.
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Prozessvereinfachung mit
messbaren Vorteilen
Der Umstieg auf ein universelles
Bohrerprogramm bedeutet weit mehr als nur weniger Werkzeuge im Schrank. Die
Auswirkungen ziehen sich durch die gesamte Prozesskette: "Mit der
Umstellung ergeben sich mehrere spürbare Prozessverbesserungen", betont
Baur. "Weniger Werkzeugwechsel, standardisierte Schnittwerte und
vereinfachte Werkzeuglogistik – ein definierter Bohrertyp statt zwei bis drei
Varianten."
Die höheren Leistungsdaten
ermöglichen signifikante Produktivitätssteigerungen. "Beim Umstieg auf
höhere Leistungsdaten sind Erhöhungen der Schnittgeschwindigkeit um 20 bis 40 %
und des Vorschubs um 10 bis 30 % möglich", erklärt Baur. "Die WTX-UNI
bietet oft 30 % höhere Standzeiten." Das Ergebnis: Werkzeugwechsel werden
seltener, die Planbarkeit steigt – besonders relevant für mannlose
Nachtschichten und hochautomatisierte Fertigungslinien.
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Die wirtschaftlichen Effekte
sind beträchtlich. "Der Umstieg führt zu einer deutlichen Reduzierung der
Varianten", so Baur. "Typisch sind Reduktionen um 20 bis 40 % bei den
Werkzeugkosten." Statt drei bis vier verschiedener Bohrertypen für
unterschiedliche Werkstoffe genügen ein bis zwei Bohrerfamilien – mit
entsprechend geringerer Kapitalbindung und reduziertem Risiko von
Fehlbeständen.
Nachschärfen statt Wegwerfen
Die Nachhaltigkeit endet nicht
bei der Herstellung. Nach dem regulären Einsatz können die Bohrer
nachgeschliffen und neu beschichtet werden. "In der Regel drei bis fünf
Mal – das hängt vom Verschleißbild des jeweiligen Werkzeuges ab",
erläutert Baur. Die Vorteile sind vielfältig: "Es gibt natürlich
wirtschaftliche Vorteile für die Kunden, wie beispielsweise die Möglichkeit,
Werkzeugkosten massiv zu senken – bei einigen Werkzeugen lassen sich über 65 %
der Kosten einsparen. Aber es gibt auch nicht monetäre Vorteile wie
Ressourcenschonung, CO₂-Reduktion oder mehr Zirkularität."
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Und wenn die Werkzeuge endgültig
verschlissen sind? "Wir bieten unseren Kunden einen Recycling-Service an,
der sehr einfach funktioniert", bestätigt Baur. "Wir stellen dem
Kunden Transportbehälter zur Verfügung, holen diese – sobald gefüllt – ab und
nach Befundung des Schrotts bekommt der Kunde eine Gutschrift auf seinem
Kundenkonto." Für Großmengen steht mit Stadler ein Spezialist in der
Gruppe bereit.
Verpackungen: Der letzte
Puzzlestein
Ceratizit liefert seinen Kunden bereits etliche Werkzeuge mit den PCR-Verpackungen von rose plastic.Ceratizit)
Konsequente Kreislaufwirtschaft
endet nicht beim Produkt selbst – auch die Verpackung muss nachhaltig sein.
Ceratizit setzt dabei auf Post-Consumer-Rezyklat (PCR) von rose plastic AG, dem
Weltmarktführer für Kunststoffverpackungen im Werkzeugbereich. Die Verpackungen
bestehen zu 100 % aus recycelten Materialien – gewonnen aus Kunststoff, der
über den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne gesammelt wurde.
Der ökologische Nutzen ist
messbar: Zur Herstellung von üblichem PET wird zweimal mehr Energie benötigt
als bei der Wiederaufbereitung. Gegenüber herkömmlichem Granulat entstehen 75 %
weniger CO₂-Emissionen. Die Bilanz für Ceratizit: 2021 verließen
mehr als 6,3 Millionen Kunststoffverpackungen die Werke, insgesamt 58,6 t.
Durch den Einsatz von PCR-Plastik können hochgerechnet pro Jahr etwa 226 t CO₂-Emissionen
eingespart werden – eine Reduktion um mindestens 60 %.
Dabei erfüllen die Verpackungen
alle Anforderungen an Schutz und Logistik: extrem stabil, klein und leicht,
bestens stapelbar. Smarte Eigenschaften wie Rastermechaniken zur Anpassung an
verschiedene Werkzeuglängen oder variable Fächereinteilungen reduzieren zudem
die Anzahl unterschiedlicher Verpackungstypen – auch das spart wertvolle
Ressourcen.
Grenzen der Universalität
Der WTX-UNI mit zwei Führungsfasen wird in 3xD und 5xD jeweils mit und ohne Innenkühlung angeboten. Der WTX-Quattro ist stets mit Kühlkanälen ausgestattet und kommt mit vier Führungsfasen in den Abmessungen 5xD, 8xD und 12xD.Ceratizit)
Trotz aller Vielseitigkeit gibt
es Grenzen. "Die WTX-UNI-Serie deckt einen sehr großen Anwendungsbereich
ab", räumt Baur ein. "Trotzdem gibt es Fertigungsszenarien, in denen
dedizierte Spezialwerkzeuge weiterhin klare Vorteile besitzen."
Senkbohrer-Kombinationen, Stufen- oder Mehrstufenbohrungen und tiefe
Querbohrungen mit Störkanten bleiben Domäne von Spezialwerkzeugen.
"WTX-UNI ist universell – aber Sondergeometrien bleiben Sondergeometrien,
diese werden speziell für den Prozess angepasst."
Kreislauf als
Wettbewerbsvorteil
Ceratizit demonstriert mit der
WTX-Serie und dem konsequenten Recyclingansatz, dass Nachhaltigkeit und
Höchstleistung keine Gegensätze sind. Die Kombination aus wiederaufbereitetem Hartmetall, universell einsetzbaren Werkzeugen, mehrfachem Nachschleifen und
nachhaltigen Verpackungen schließt den Kreislauf nahezu vollständig. Für
Anwender bedeutet dies nicht nur einen reduzierten CO₂-Product-Carbon-Footprint,
sondern auch handfeste wirtschaftliche Vorteile: geringere Werkzeugkosten,
vereinfachte Logistik und höhere Produktivität. In Zeiten steigender
Materialpreise und verschärfter Klimaziele wird Kreislaufwirtschaft vom
Nice-to-have zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Wie hoch ist der
Recyclinganteil bei modernen Hartmetallwerkzeugen? - Das upGRADE-Substrat CT-GS20Y
von Ceratizit besteht zu 99 % aus wiederaufbereiteten Rohstoffen. Damit wird
praktisch das gesamte Hartmetall aus sekundären Quellen gewonnen, ohne
Leistungseinbußen gegenüber konventionell hergestelltem Material.
Welche CO₂-Einsparungen
sind durch Hartmetall-Recycling möglich? - Recyceltes Hartmetall aus dem
upGRADE-Programm weist nur etwa ein Drittel des Carbon Footprint von
konventionellem Material auf.
Wie funktioniert das
Recycling von Hartmetallwerkzeugen in der Praxis? - Hersteller wie Ceratizit bieten
Kunden Transportbehälter für verschlissene Werkzeuge an. Nach der Abholung und
Befundung des Schrotts erhält der Kunde eine Gutschrift. Das Material
durchläuft dann entweder thermomechanisches Recycling (Zinkverfahren) oder
chemisches Recycling, um wieder zu hochreinem Hartmetallpulver verarbeitet zu
werden.
Sind recycelte
Verpackungen für Zerspanungswerkzeuge genauso schützend? - Ja. Verpackungen aus
Post-Consumer-Rezyklat (PCR) erfüllen alle Schutzfunktionen ohne
Einschränkungen. Sie sind extrem stabil, stapelbar und erfüllen sämtliche
Anforderungen ohne zusätzliche Packhilfsmittel – bei gleichzeitig 75 % weniger
CO₂-Emissionen
gegenüber herkömmlichem Granulat.
Wie oft können VHM-Bohrer nachgeschliffen
werden? - In der Regel drei bis fünf Mal,
abhängig vom Verschleißbild. Durch Nachschleifen und neue Beschichtung lassen
sich bei einigen Werkzeugen über 65 % der Kosten einsparen – neben der
positiven Umweltbilanz durch Ressourcenschonung und CO₂-Reduktion.
Warum ist Recycling von
Hartmetall strategisch wichtig? - Wolfram ist das Kernmaterial für
Hartmetall, dessen weltweite Produktion zu über 80 % in China konzentriert ist.
Recycling ist daher ein zentraler Bestandteil einer mehrgleisigen
Versorgungsstrategie, um die Abhängigkeit von einzelnen Lieferregionen zu reduzieren
und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.