Ingersoll sorgt für Prozesssicherheit bei der Gewindefertigung
Sysbohr kämpfte in der automatisierten Gewindefertigung mit Schwingungen, Rattermarken und Ausschuss. Ingersoll stellte den Prozess auf ein Stechwerkzeug um und erhöhte damit die Prozesssicherheit. So kann die mannlose Spät- und Nachtschicht nun stabiler laufen.
Redaktion FERTIGUNGRedaktionFERTIGUNG
Nach der Devise „Rohteil rein, Fertigteil raus“ setzt Sysbohr stark auf Automation. In der Spät- und Nachtschicht arbeiten nur die Roboter.Ingersoll
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Summary:
Sysbohr fertigt in Hünfeld Bohrtechnik für Spezialtiefbau und Geothermie und hatte in der automatisierten Gewindefertigung Probleme mit Schwingungen, Rattermarken und Ausschuss. Ingersoll analysierte den Prozess und stellte die Bearbeitung von Gewindedrehen auf eine Art Gewindestechen mit Standard-Wendeschneidplatte um. Ergebnis sind stabilere Abläufe, bessere Oberflächenqualität und prozesssichere mannlose Spät- und Nachtschichten.
Bohrtechnik für den Spezialtiefbau und die Geothermie ist
das Geschäftsfeld der Sysbohr GmbH. Das Unternehmen ließ lange Zeit sämtliche
Bauteile bei Lohnfertigern herstellen. Als vor drei Jahren eine eigene
Produktion hochgezogen wurde, bereitete die automatisierte Fertigung zunächst
Probleme. Die Ingersoll Werkzeuge GmbH hat daraufhin den Prozess für die
Gewindefertigung umgekrempelt und stellte Prozesssicherheit her.
Seit sie 2004 als Konstruktionsbüro gegründet wurde, hat
sich die in Fulda ansässige Firma gut entwickelt. Mit dem Aufbau der eigenen
Fertigung in Hünfeld sollten die Lohnfertiger nicht abgelöst, sondern die
Kapazität der Produktion erhöht werden. Fremdfertiger, die Sysbohr teilweise
seit über 20 Jahren beliefern, werden dies auch weiterhin tun. Mit der
Fertigung in Hünfeld kann der Hersteller flexibler reagieren und hat seine
Lieferzeiten besser im Griff.
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Sysbohr produziert Bohrrohre mit Längen bis drei Meter im Durchmesserbereich 50 bis 600 mm. Rechts Produktionsleiter Sebastian Reith.Ingersoll
„Wenn ein Kunde beispielsweise eine zusätzliche Spülbohrung
an seinem Bohrwerkzeug benötigt, wird dieses in Fulda umkonstruiert und bei uns
den Anforderungen entsprechend hergestellt“, beschreibt Produktionsleiter
Sebastian Reith eine der großen Stärken des Unternehmens: Maßgeschneiderte
Spezialausführungen können hier individuell und schnell ausgeführt werden.
Sysbohr begleitet Projekte von der Konstruktion bis zum fertigen System und
passt Bohrsysteme optimal an die jeweils gegebenen Bodenverhältnisse und die
Anforderungen der Baustelle an. Der Vertrieb von Werkzeugen und Zubehör erfolgt
weltweit.
Das Portfolio der überwiegend eigenen Produkte umfasst
Bohrkronen, Bohrrohre, Spülköpfe und Antriebseinheiten. Typische Stückzahlen
für Sonderwerkzeuge liegen im einstelligen Bereich, bei Bohrkronen für den
Großhandel werden aber auch Losgrößen bis 200 Stück erreicht. Die Kunden kommen
großteils aus der Bauindustrie, wo die Werkzeuge vor allem zur Baugruben- und
Tunnelsicherung eingesetzt werden. Bei manchen Anwendungen verbleibt die
Bohrspitze im Bohrloch und gilt als verloren. In den meisten Fällen sind die
Bohrkrone und die Bohrstangen aber mit Gewinden anstatt eines leicht zu
lösenden Bajonettverschlusses versehen.
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Fertigung zügig ausgebaut
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Die Fertigung in Hünfeld startete mit einer Maschine von DMG
MORI und wurde sehr zügig ausgebaut, um auf die gewünschte Produktionskapazität
zu kommen. Inzwischen füllen sechs Dreh-Fräs-Zentren dieses
Maschinenherstellers die Halle. Speziell für die Bearbeitung großer Rohre wurde
noch eine Revolver-Drehmaschine von Okuma angeschafft, die über einen größeren
Spindeldurchlass verfügt. An sämtlichen Maschinen stehen Roboter. Trotz
verhältnismäßig niedrigen Stückzahlen lohnt sich wegen der langen Laufzeiten
die Automatisierung, wie Sebastian Reith erläutert: „Auf den Maschinen können
wir unsere Produkte komplett fertig fertigen, also im Idealfall Rohteil rein,
Fertigteil raus. Da kommen bei zehn Bauteilen schon mal fünf Stunden Laufzeit
zusammen. Das ist dann eine Spätschicht.“ Der Arbeitsablauf sieht so aus, dass
die zehn Mitarbeiter morgens Einzelteile herstellen und gegen Abend noch ein
Teil pro Maschine einfahren. Den Rest besorgen dann Roboter in der mannlosen
Spät- und Nachtschicht.
Was nach einer kostengünstigen Fertigung klingt, hat Sysbohr
allerdings zunächst vor große Probleme bei der Herstellung von Trapezgewinden
gestellt, die für fast alle Bauteile benötigt werden. Es fehlte an der
erforderlichen Prozesssicherheit, weil es vor allem bei dünnen Materialstärken
immer wieder zu Schwingungen kam, die deutliche Rattermarken an den
Innengewinden hinterließen und schlechte Oberflächenqualitäten erzeugten.
Mitunter stoppte die automatische Produktion nach wenigen Teilen oder sie lief
trotz einer beschädigten Schneidplatte komplett durch und produzierte
Ausschuss. „Wir wussten nie, was uns erwartet, wenn wir morgens in den Betrieb
kommen. Die Palette war vielleicht abgearbeitet, vielleicht aber auch nicht“,
berichtet Reith von seinem Frust.
Die Fertiger haben vieles ausprobiert, experimentierten mit
unterschiedlichen Zustellungen und Geschwindigkeiten. Die Widerholgenauigkeit
im automatisierten Prozess ließ allerdings stets zu wünschen übrig. Ingersoll war zwar als Werkzeuglieferant in Hünfeld von Anfang an vertreten, die
Problemplatten kamen aber von einem anderen Hersteller. Sysbohr hatte den
Prozess einschließlich der Gewindeplatten in Sonderausführung von einem
Zulieferer übernommen, der damit nie Schwierigkeiten hatte. Ein entscheidender Unterschied
besteht allerdings darin, dass beim Lohnfertiger ständig ein Bediener an jeder
Maschine steht, der bei Unregelmäßigkeiten gleich eingreifen kann, bevor daraus
ein Problem entsteht. Das betrifft aufkommende Vibrationen ebenso wie
Spänestau, der bei Sysbohr ebenfalls häufiger vorkam.
Eine Lösung sollte Ingersoll bringen. Daniel
Rudolph, technischer Berater beim Werkzeughersteller, analysierte das
Problem: „Die verwendete Sonder-Gewindeplatte, mit der das Innengewinde gedreht
wurde, führte aufgrund ihrer Eingriffsbreite und der verhältnismäßig langen
Ausspannung zu Vibrationen, die sich im Prozess aufschaukelten. Anstelle der
stark drückenden Vollprofilplatte brachten wir ein Stechwerkzeug ins Spiel, das
weniger Druck ausübt.“ Da man bei Sysbohr zuvor bereits gute Erfahrungen mit
der Schneidplatte von Ingersoll gemacht hatte, wurde sie kurzerhand
ausprobiert. Weil das Gewindeschneiden sich grundsätzlich vom Stechdrehen
unterscheidet, konnten allerdings vorhandene Prozessabläufe nicht einfach
übernommen werden. Die zunächst erreichte Bearbeitungsgeschwindigkeit erwies
sich als viel zu langsam. Mit einem einfachen Wechsel des Werkzeugs war es also
nicht getan.
Eine Multifunktionsstechplatte TDXU 3E-0.3 von Ingersoll kann bei Sysbohr für Gewinde in allen Größen eingesetzt werden und löst damit gleich mehrere Sonder-Gewindeplatten eines anderen Herstellers ab.Ingersoll
„Die Prozesssicherheit wurde erst durch die komplette
Umstellung des Prozesses erreicht“, berichtet Daniel Rudolph. „Wir haben nicht
nur die Platte getauscht, sondern uns auch den ganzen Prozess angeschaut und
beurteilt, vom Zyklus bis hin zur Schneidplatte. Die Bearbeitung wurde dabei
geändert und wir machen nun anstelle des Gewindedrehens eher Gewindestechen.“
Als sehr effizient zeigte sich dabei der Übergang auf einen 40 mm
Werkzeugschaft, wie Anwendungstechniker Christopher Hees schildert: „Ingersoll hat eine größere Bohrstange gewählt, um ein besseres
Längen-Durchmesser-Verhältnis zu bekommen. Damit konnte deutlich mehr
Zustellung gefahren werden und höhere Schnittgeschwindigkeiten wurden möglich.
Verglichen mit den ersten Bearbeitungsversuchen im Stechdrehverfahren, konnte
die Bearbeitung mit weniger Schnitten in der Hälfte der Zeit ausgeführt werden.
Wir sind auf diese präzisionsgesinterte Wendeschneidplatte TDXU 3E-0.3
gegangen, um die Genauigkeit im Prozess aufrecht erhalten zu können. Von der Passgenauigkeit
her kommen die Gewinde nun immer in derselben Qualität von der Maschine.“
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Die Multifunktionsstechplatte eignet
sich für das Radial-, Axial- und Inneneinstechen. Mit ihrem weichen Schnitt ist
sie für mittlere bis hohe Vorschübe geeignet. Sie erzeugt zudem kleine Späne,
die nicht mehr am Werkzeugwechsler hängen bleiben oder sich im Futter verfangen
können, was zur Prozesssicherheit in der mannlosen Fertigung beiträgt. Im
Gegensatz zu den zuvor verwendeten Vollprofilplatten ist sie ein
Standardwerkzeug, das Ingersoll bei Bedarf gleich am nächsten Tag liefern kann.
Bei den eigens angefertigten Sonder-Gewindeplatten gab es Lieferzeiten von drei
bis vier Wochen.
Eine Schneidplatte für alles
Die Fertiger haben noch einen weiteren Vorteil bekommen: Die
zu verwendende Platte ist immer identisch und ersetzt gleich mehrere
Sonderlösungen, die zuvor für unterschiedliche Gewinde notwendig waren. Sysbohr
benötigt die vollflächigen Gewinde für alle Bauteildurchmesser zwischen 50 und
600 mm mit verschiedenen Steigungen. Möglich wurde die universelle Bearbeitung
auch durch programmtechnische Optimierungen. DMG MORI hat dazu in enger
Absprache mit Ingersoll und Sysbohr einen auf der Maschine vorhandenen Gewindezyklus
auf die speziellen Anforderungen angepasst.
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Eine normale metrische Gewindeform, wie sie meist für die
Gewindefertigung benutzt wird, kam für Sysbohr wegen der oft rauen
Einsatzbedingungen seiner Produkte nicht in Frage. „Solche spitzen Gewinde
können wir nicht gebrauchen, weil am Bau immer mit Sand und Dreck gerechnet
werden muss. Dennoch muss ein Bagger die Teile zuverlässig ein- und ausdrehen
können“, erläutert Reith. Damit wird auch klar, weshalb für die Fertigung gute
Oberflächen der Rundgewinde wichtiger sind als das letzte µ an Genauigkeit.
Konnten die mannlose Produktion bei Sysbohr prozesssicher machen (v.l.): Christopher Hees (Anwendungstechnik Ingersoll), Sebastian Reith (Produktionsleiter Sysbohr) und Daniel Rudolph (Technische Beratung & Verkauf Ingersoll).Ingersoll
Mit den erreichten Ergebnissen ist der Anwender sehr
zufrieden. Die Bearbeitungszeit ist praktisch identisch geblieben, bei der
Standzeit wurden mit dem Werkzeug von Ingersoll leichte Verbesserungen
erreicht. Vor allem aber kann jetzt auch in der mannlosen Spät- und
Nachtschicht prozesssicher durchgearbeitet werden. Damit wurde gewünschte
Fertigungskapazität geschaffen und zugleich die Qualität erhöht.
• Warum wurde die Gewindefertigung bei Sysbohr umgestellt? – In der automatisierten Fertigung kam es bei Trapezgewinden zu Schwingungen, Rattermarken und Ausschuss.
• Welche Rolle spielte Ingersoll in der Gewindefertigung? – Ingersoll analysierte den Prozess, ersetzte die Sonder-Gewindeplatte durch ein Stechwerkzeug und stellte die Bearbeitung um.
• Welche Schneidplatte wird in der Gewindefertigung eingesetzt? – Eingesetzt wird die präzisionsgesinterte Wendeschneidplatte TDXU 3E-0.3 von Ingersoll.
• Warum ist Prozesssicherheit in der Gewindefertigung wichtig? – Sie ermöglicht mannlose Spät- und Nachtschichten ohne ständige Bedienereingriffe und reduziert das Risiko von Ausschuss.
• Welche Vorteile bringt die neue Gewindefertigung bei Sysbohr? – Die Fertigung läuft stabiler, die Oberflächenqualität steigt, Sonderlösungen werden ersetzt und die gewünschte Kapazität wird erreicht.