So geht Turbinenfertigung: Starrag zeigt Technik zum Anfassen

Zwei Tage, 13 Technologiestationen, rund 270 Gäste aus 22 Nationen: Starrag hat am 23. und 24. Juni 2026 zum 26. Mal zu den Aerospace & Turbine Technology Days an den Bodensee geladen. Die FERTIGUNG-Redaktion war vor Ort und hat sich die gezeigten Bearbeitungslösungen für die Luftfahrt- und Turbinenindustrie angesehen.

Alexander Attenberger, CSO der Starrag Group (links), und Andreas Haimer, Geschäftsführer der Haimer Group (rechts) standen der Presse während der Aerospace & Turbines Technology Days in Rorschacherberg am Bodensee Rede und Antwort.
Alexander Attenberger, CSO der Starrag Group (links), und Andreas Haimer, Geschäftsführer der Haimer Group (rechts) sind enge Partner und standen der Presse während der Aerospace & Turbines Technology Days in Rorschacherberg am Bodensee Rede und Antwort.

Ein Klassiker kehrt zurück

Die Technology Days gehören zu den festen Terminen im Kalender der Aerospace- und Turbinenbranche – 2025 musste die Veranstaltung wegen Platzmangels und hoher Auslastung am Standort Rorschacherberg allerdings ausfallen. Umso größer war in diesem Jahr das Interesse: Nach Angaben des Unternehmens reisten rund 270 Teilnehmende aus 22 Ländern an den Bodensee, um sich über neue Bearbeitungslösungen für Triebwerks- und Turbinenkomponenten sowie Aerostrukturen zu informieren. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Martin Buyle, CEO der Starrag Group. In seiner Eröffnungsrede stellte er nach Angaben des Unternehmens das diesjährige Motto „Die Konkurrenz übertreffen“ in den Mittelpunkt. 

Rundgang durch 13 Technologiestationen

Kern der Technology Days war ein Rundgang durch 13 Technologiestationen, an denen Starrag gemeinsam mit Partnerunternehmen Lösungen für Aerospace- und Turbinenbauteile präsentierte. Zu den gezeigten Maschinen zählte die S1250 HD, die nach Herstellerangaben Schruppen, Schlichten und jetzt auch Schleifen in einem Setup vereint. Die Integration des Schleifens soll laut Starrag für maximale Vielseitigkeit, Präzision und perfekte Oberflächen in nur einem Setup sorgen. 

Die Berthiez VT wurde für die Vor- und Fertigbearbeitung von Triebwerksgehäusen gezeigt, auch mit Blick auf MRO-Anwendungen; laut Starrag soll die Maschine im Vertikaldrehen neue Maßstäbe setzen.

Im Bereich der Aluminiumbearbeitung stellte Starrag die Ecospeed vor, die laut Herstellerangaben eine um bis zu 30 % gesteigerte Leistung in Aluminium ermöglichen soll – unterstützt durch Spann- und Fertigungskonzepte sowie integrierte Messmethoden für präzise, kontrollierte und reproduzierbare Ergebnisse. 

Null Prozent Ausschussproduktion

Für die Bearbeitung mehrstufiger Blisks demonstrierte Starrag die NB 151, die laut Herstellerangaben auf hohe Schruppleistung und eine Ausschussrate von null Prozent ausgelegt sei. Auch die Bearbeitung von Gasturbinengehäusen war Thema: Starrag zeigte den kompletten Prozess vom Rohling bis zum qualifizierten Casing in einer realen Produktionsumgebung. Ergänzt wurde das Programm um Automatisierungslösungen für Großmaschinen, unter anderem mit Praxisbeispielen von Droop+Rein sowie Anwendungen für Bauteile aus der Raumfahrt und für Landebeine.

Für kleine kubische Strukturteile präsentierte Starrag auf der NB 151 Automations-, High-End-Spann- und Fertigungskonzepte, während auf einer Heckert X50 die adaptive Schaufelreparatur für Schaufeln und Blisks gezeigt wurde. Grundlage sei eine eigens von TTL entwickelte Software, die laut Unternehmensangaben Effizienzgewinne im MRO-Bereich ermöglichen soll.

Auf der Bumotec wurde die Bearbeitung komplexer Teile mit reduzierten manuellen Eingriffen gezeigt, unter anderem am Beispiel von Einspritzdüsen. Mit der CAM-Programmierung RCS 8 demonstrierte Starrag, wie aus einem CAD-Modell einer Turbinenschaufel nach Unternehmensangaben in rund 20 Minuten eine fertige Schaufel entsteht. Den Abschluss des Stationenprogramms bildete eine Live-Demonstration mannloser Fertigung mit integriertem Cobot und Schleifoperation, die laut Starrag zu mehr Prozesssicherheit und höherer Wirtschaftlichkeit beitragen soll.

Keynotes: Toolroom, Rettungsflüge und industrielle KI

Neben den Maschinen bildeten drei Keynotes den fachlichen Rahmen der Veranstaltung. Andreas Haimer, President der Haimer Group und Mitglied des Aufsichtsrats der Wintool AG, sprach unter dem Titel „Der Tool Room of the Future als Gamechanger für den Shopfloor“ über die Bedeutung moderner Werkzeugverwaltung für die Fertigung. Im Gespräch betonte Haimer die Bedeutung enger Partnerschaften entlang der gesamten Prozesskette – von der Werkzeugtechnologie über die Maschine bis zur Software.

Eine weitere Keynote hielt Philipp Simmen, Mitglied der Geschäftsleitung der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega und Leiter des Bereichs Helikopter-Einsatz. Er sprach über Chancen und Herausforderungen im Flottenmanagement der Organisation. Den zweiten Veranstaltungstag eröffnete Prof. Dr. Oliver Gassmann, Professor für Technologiemanagement an der Universität St. Gallen, mit einer Keynote zum Thema „Industrielle KI: Potenziale schaffen und wirtschaftlich nutzen“. Er ordnete ein, an welchen Stellen der Fertigung künstliche Intelligenz nach seiner Einschätzung wirtschaftlichen Mehrwert schaffen kann.

Ausblick: Von Rorschacherberg nach Stuttgart

Nach Angaben von Starrag wird das Unternehmen zahlreiche der auf den Technology Days gezeigten Neuerungen im September auch einem breiteren Fachpublikum präsentieren: Auf der AMB, der Internationalen Ausstellung für Metallbearbeitung in Stuttgart, ist Starrag in Halle 7 an Stand B11 vertreten. Die FERTIGUNG-Redaktion wird die AMB-Highlights von Starrag und weiteren Ausstellern in der Printausgabe 5-2026 mit großem AMB-Special ausführlich vorstellen. 

Starrag-Gelände im schweiterischen Rorschacherberg.
Starrag-Gelände im schweiterischen Rorschacherberg.