Soraluce Werk Nordspanien

Thilo Borbonus, geschäftsführender Gesellschafter der Bimatec Soraluce, erläutert im spanischen Werk, was den Standort im Baskenland so besonders macht: Kreativität und technische Sorgfalt. (Bild: Bimatec Soraluce)

Wie bahnte sich die erfolgreiche Fusion der beiden Unternehmen Bimatec und Soraluce seinerzeit an?

Es ging los in England. Die Bimatec-Gründer und damaligen Geschäftsführer, Fred Bisgwa und Walter Markuske, arbeiteten damals für die Firma Butler in England und versuchten in dem Zusammenhang, einen Hersteller für eine marktfähige Bettfräsmaschine zu finden. Fündig wurden sie bei Soraluce im Baskenland. Es entstand eine erste Zusammenarbeit, die es ermöglichte, die von Soraluce in Spanien gefertigten Bettfräsmaschinen auf dem deutschsprachigen Markt unter dem Namen Butler zu verkaufen. Es war ein voller Erfolg: Man hatte erwartet, fünf Maschinen pro Jahr zu verkaufen. Letztendlich waren es dann über 30 Maschinen in zwei Jahren. Daraufhin wurde die Idee geboren, die in Spanien produzierten Maschinen unter dem Namen Soraluce zu vertreiben – das war die Geburtsstunde des gemeinsamen neuen Unternehmens Bimatec Soraluce. Diese Fusion blieb immer erfolgreich und bis heute wurden unter dem Namen Soraluce rund 1.500 Maschinen im deutschsprachigen Raum verkauft.

Wie beschreiben Sie die jeweiligen Stärken von Bimatec und Soraluce?

Summit zum 60jährigen Jubiläum von Soraluce
Summit in Spanien: Anlässlich des 60-jährigens Bestehens lud Soraluce zum Werksrundgang durch die imposanten Hallen in Nordspanien ein. (Bild: Soraluce)

Beide Unternehmen haben ihre expliziten Stärken: Bimatec verfügt seit jeher über ein besonders gutes Marktgespür und arbeitet schnell heraus, was die Branche wünscht und welche konkreten Bedürfnisse den Kunden Wettbewerbsvorteile bringen können. Nachdem diese Ideen mit Soraluce intensiv besprochen worden sind, stellt die innovative Konstruktionsabteilung ihr hohes Maß an Kreativität immer wieder unter Beweis und setzt die anspruchsvollen Pläne technisch hochwertig in die Tat um.

Im Rahmen der Transformation wurden unternehmensübergreifende Teams implementiert. Was sind deren besondere Herausforderungen?

Die Herausforderungen gerade im Vertrieb waren und sind groß: Der deutsche Markt stellt besonders hohe Erwartungen an Innovationen und Verfügbarkeit von Werkzeugmaschinen. Auch die detaillierte und tiefgehende technische Beratung ist hier im Vergleich zu anderen Ländern sehr wichtig. Im Bereich Technologie, was ja eine vertriebsunterstützende Abteilung ist, haben wir mit der Herausforderung zu kämpfen, dass in Deutschland der Maschinenbediener in der Regel ein CNC-Fräser ist, der dreieinhalb Jahre ausgebildet wird. Das gibt es im Rest der Welt so nicht. Die Anforderung, die Fragen, die an die Technologieabteilung gestellt werden und die tiefgehenden technischen Definitionen der Projekte bergen eine ganz andere Herausforderung, weil hier Fragen gestellt werden, die der Rest der Welt nicht stellt. Das Resultat: Die Projekte, die wir realisieren sind schlüsselfertig und komplex, können aber auf Grund der Innovationen teilweise auch von angelernten und nicht voll ausgebildeten Maschinenführern die gewünschten Fertigungsprozesse erfüllen.
Im Service war bei der Transformation die Herausforderung, dass auch hier die Ansprüche des deutschen Marktes deutlich über den Ansprüchen vom Rest der Welt liegen – bezogen auf Service-Reaktionszeit, auf Erreichbarkeit, auf Ersatzteil-Verfügbarkeit. Hier galt es, ein komplett neues Konzept zu entwickeln, was inzwischen an allen weltweiten Standorten von Soraluce als Vorlage genutzt wird, um Service-Dienstleistung und Servicestandorte zu etablieren.
Im Bereich des Marketings haben wir vor der Herausforderung gestanden, dass auch die Ansprache eines deutschen Kunden qualifizierter erfolgen muss als in anderen Ländern.

Inwieweit war es eine kulturelle Herausforderung, der deutschen und spanischen Belegschaft ein gemeinsames Wir-Gefühl zu vermitteln?

Es war überhaupt keine kulturelle Herausforderung, die nordspanischen Kolleginnen und Kollegen mit der deutschen Belegschaft zusammenzuführen. Dazu muss man wissen, dass die Basken uns Deutschen sehr ähneln, insbesondere in Sachen Genauigkeit, Disziplin und Arbeitssorgfalt. Wir konnten von Anfang an sehr gut zusammenarbeiten.
Wichtig war uns immer, ein Wir-Gefühl zu leben - so wie in einer großen Familie, deren komplette Zusammenarbeit auf Vertrauen und Verständnis basiert. Diese Mischung aus geschäftlicher Zusammenarbeit, Vertrauen und Freundschaft hat uns miteinander erfolgreich gemacht.

Wie haben sich die Arbeitswelten seit dem Zeitpunkt der Fusion entwickelt?

Das Thema der verschiedenen Arbeitswelten ist sehr spannend. In Deutschland gibt es beispielsweise die duale berufliche Ausbildung mit der Aufteilung in eine praktische, betriebliche und theoretische, schulische Zeit. Ein vergleichbares System gibt es in Spanien nicht. Die technische Ausbildung in Spanien erfolgt zunächst durch den Besuch einer technischen Schule oder Universität. Nach erfolgreichem Abschluss gehen die jungen Menschen dann in die Unternehmen und werden dort auf die durchzuführenden Tätigkeiten angelernt.
Unsere Kolleginnen und Kollegen im Baskenland haben schnell gemerkt, dass die Qualifikation unserer Facharbeiter besser und umfangreicher ist und suchten nach ähnlichen Wegen. Das Resultat: Junge Menschen absolvierten zunächst im Baskenland eine schulische Ausbildung in einer technischen Schule oder Universität. Nach dem erfolgreichen Abschluss sind die Mitarbeiter dann für zwei Jahre zu uns nach Deutschland gekommen und haben in unserem Haus die betriebliche Ausbildung gemacht. Ein voller Erfolg! Durch ihre Fachkompetenz konnten sich die Rückkehrer fachlich behaupten und bekleiden heute Schlüsselpositionen in unserem Werk in Spanien.
Die Ausbildung in unserem Werk erfolgt heute nach genau diesem Vorbild.

Bimatec Soraluce hat viele Auszeichnungen für Design und technische Innovation erhalten. Wem ist welche Kategorie zuzuschreiben?

Wir haben viele Auszeichnungen für herausstechendes Design und auch technische Innovationen erhalten. Aber keine Kategorie wäre jetzt dem einen oder dem anderen Unternehmensteil zuzuschreiben. Wir agieren in länderübergreifenden Teams und legen miteinander Richtungen, Ideen, Technologien fest.
Genauso haben wir uns mit dem Design von Maschinen beschäftigt. Gemeinsam fragen wir uns: Wie muss eine moderne Maschine aussehen? Was will der Bediener? Insbesondere die Zusammenarbeit im Team und die daraus resultierenden vielfältigen Blickwinkel machen letztendlich den Erfolg aus. Es ist eine gelebte Partnerschaft!

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