Wer elektrochemisch entgratet, muss auch reinigen: Ein ECM-Spezialist integriert Ultraschall-Reinigungsmodule direkt in seine Anlagen – für stabile Prozesse und definierte Sauberkeit in einem Durchlauf.
Redaktion FERTIGUNGRedaktionFERTIGUNG
Für die einseitige Kantenverrundung der kilometerlangen Stahlbänder wurde eine Durchlaufanlage mit den Stationen Vorreinigung, ECM-Bearbeitung und Nachreinigung mit Ultraschall entwickelt.Vulic-ECM
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Zunächst
konzentrierte sich die 2007 gegründete Vulic ECM GmbH & Co. KG auf die
Entwicklung und Herstellung von kundenspezifischen Vorrichtungen (Werkzeugen)
sowie Ersatzteile für die elektrochemische Metallbearbeitung (ECM). Sieben
Jahre später folgte mit dem Bearbeitungscenter V 500 die erste in Eigenregie entwickelte
ECM-Anlage und das angestammte Dienstleistungsportfolio wurde um die
Lohnbearbeitung erweitert. Die modular konzipierten Standard- und Sonderanlagen
sowie Services des in Ottobeuren ansässigen Unternehmens werden inzwischen
international von Kunden unter anderem aus der Automobil- und
Rüstungsindustrie, Luft- und Raumfahrt sowie Medizintechnik nachgefragt.
Integrierte
Ultraschallreinigung für stabile ECM-Prozesse und hohe Sauberkeit
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Im ECM-Prozess lassen sich Kanten effizient und präzise entgraten und verrunden. Üblicherweise werden die bearbeiteten Teile anschließend gereinigt.Vulic-ECM
In der ECM-Technologie lassen
sich Grate effizient entfernen und Kanten hochpräzise verrunden, und das auch
in schwer zugänglichen Bereichen wie Sacklochbohrungen, Bohrungsverschneidungen
und Taschen. Für den berührungslosen Prozess wird das Werkzeug als Kathode (negativ) an eine
Gleichstromquelle angeschlossen und das Bauteil als Anode (positiv) gepolt. Der
Ladungsaustauch erfolgt in einer salzhaltigen Elektrolytlösung, wobei die Grate
vollständig aufgelöst und durch den Elektrolyten aus dem Arbeitsspalt
abtransportiert werden.
„Für
die Qualität und Präzision von ECM-Prozessen ist es entscheidend, dass die zu
bearbeitenden Teile öl- und fettfrei sind“ konkretisiert Sascha Haushammer,
Vertriebsleiter bei Vulic ECM. „Darüber hinaus erfordern enorm gestiegene
Sauberkeitsanforderungen meist eine Reinigung nach dem ECM-Prozess, in der Reste
des Elektrolyten und eventuell am Bauteil haftende Partikel entfernt werden.“
Aus diesen Gründen bietet der Anlagenhersteller seit 2018 seine Maschinen auch mit
integrierten Modulen für die Vor- und Nachreinigung an, beispielsweise mit
Ultraschall, und nutzt diese auch im Dienstleistungsbereich. Die
Reinigungsbecken fertigt Vulic ECM kundenspezifisch intern, inzwischen auch für
Anwendungen ohne ECM. Für die Ausstattung mit Ultraschall suchte man einen
leistungsfähigen Partner.
An die jeweilige Anwendung
angepasster Ultraschall
Ein Unternehmen für Reinigungsmedien
empfahl die Weber Ultrasonics AG. Die international tätige Gesellschaft entwickelt und
produziert Ultraschallkomponenten für das Reinigen, Schweißen und Schneiden.
Die Generatoren für die Bauteilreinigung stehen in unterschiedlichen
Frequenzen, auch als Multifrequenzsysteme, zur Verfügung. Sie ermöglichen in
Kombination mit frequenzangepassten Platten-, Tauch- und Stabschwingern den Bau kompakter, individuell auf
die Werkstücke und Sauberkeitsanforderungen abgestimmter Reinigungslösungen.
“Wir haben damals auch mit anderen Herstellern gesprochen, die Zusammenarbeit
mit Weber Ultrasonics hat jedoch von Anfang an so gut funktioniert, dass wir
keinen weiteren Anbieter ins Boot geholt haben“, berichtet Sascha Haushammer. „Wir
werden sehr gut beraten und konnten dadurch im Laufe der Jahre auch ein
gewisses Knowhow zur Ultraschallreinigung aufbauen. Die Expertise von Weber
Ultrasonics benötigen wir heute eigentlich nur noch bei speziellen Projekten.“
Kantenverrunden und
Reinigen von kilometerlangen Metallbändern
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Ein solches Projekt war die
Entwicklung und Fertigung einer Gesamtlösung zur Bearbeitung von unterschiedlich
breitem und dickem sowie mehrere Kilometer langem Bandstahl. Die
Aufgabenstellung klang eigentlich einfach: An den Teilen soll einseitig eine
definierte Kantenverrundung erzeugt und sie für die anschließende kundenseitige
Konservierung vorbereitet werden. „Darüber hinaus war die
Prozessgeschwindigkeit ein wichtiger Faktor“, erklärt Sascha Haushammer. Vulic ECM
konzipierte dafür eine modulare Durchlaufanlage mit den Stationen Vorreinigung,
ECM-Bearbeitung und Nachreinigung inklusive Ultraschall.
Das Modul für die
Nachreinigung besteht aus drei separaten Zonen. Der mittlere Bereich verfügt bodenseitig
mit einem 25 kHz Sonosub-Tauschwinger mit 500 Watt Leistung ausgestattet. Die
lasergeschweißte Kapsel des Schwingers ist extrem glatt und minimiert dadurch
Ablagerungen. Bei
dem in der Leistung angepassten Sonic Digital HS3 Generator wird die Frequenz
von 25 kHz durch einen 32-Bit Microcontroller digital erzeugt und geregelt sowie
überwacht. Die Leistung lässt sich im Bereich von 10 bis 100 Prozent in 1%-Schritten
regeln, was eine optimale Anpassung an teilespezifische Reinigungsprogramme
erlaubt.
Bearbeitung und Reinigung in hoher
Prozessgeschwindigkeit
Der in der Leistung angepasste Hutschienen-Generator verfügt über einen 32-Bit Microcontroller, der die Frequenz digital erzeugt, regelt und überwacht.Weber Ultrasonics
Die leicht mit Öl
verunreinigten Bänder werden einlaufseitig mittels Haspel abgerollt und durchlaufen
in der ersten Station eine kombinierte Spritz- und Bürstvorreinigung. Im
mittleren Modul erfolgt die Kantenverrundung. An der Nachreinigungsstation wird
der Bandstahl in der ersten Zone abgespritzt und bei Zone 2 über eine Rolle komplett
in das mit Reinigungsmedium gefüllte Becken gezogen.
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In diesem Flüssigkeitsbad
entfaltet der Ultraschall seine Wirkung durch akustische Kavitation: Der
Tauchschwinger überträgt die vom Generator erzeugten elektrischen Signale in
die Flüssigkeit, wobei ein Wechsel
von Unter- und Überdruck entsteht. In den Unterdruckphasen bilden sich
mikroskopisch kleine Hohlräume, die in der anschließenden Überdruckphase in
sich zusammenfallen (implodieren). Dabei entstehen Stoßwellen mit erheblicher
Energie, durch die partikuläre und filmisch-chemische Kontaminationen
"abgesprengt" werden.
Gleichzeitig entwickeln sich Mikroströmungen,
die ab- beziehungsweise angelöste Verunreinigungen wegspülen. Über eine weitere Rolle gelangen die
Bänder in die mit einer Heißlufttrocknung ausgestattete Zone 3, werden
anschließend in der kundenseitigen Konservierung vor Korrosion geschützt und
danach wieder aufgerollt.