Helmut Glimpel, Geschäftsführer Emuge-Franken.

Helmut Glimpel, Geschäftsführer Emuge-Franken. - Bild: Emuge-Franken

Herr Glimpel, Ihr Unternehmen Franken GmbH & Co. KG aus dem Unternehmensverbund Emuge-Franken feierte kürzlich das 100-jährige Firmenjubiläum. Vor 60 Jahren sind Sie in das Unternehmen Emuge eingetreten, kurz darauf, 1958, haben Sie Franken übernommen. Was waren für Sie die größten Meilensteine in der bisherigen Unternehmensentwicklung?

Zum einen natürlich der Kauf der Firma Franken 1958, durch den wir unser Produktprogramm mit Fräswerkzeugen erweiterten. Durch den Kauf der Firma Leimbach aus Wuppertal wurde dann 1967 die Wälzfräserfertigung bei Franken integriert und damit auch begonnen, hochgenaue Formfräser für die Kraftwerksindustrie zu fertigen. Zudem gab es viele Meilensteine im Fräserprogramm.

Was zeichnet die Fräswerkzeuge von Franken so besonders aus?

Franken bietet ein Komplettprogramm mit material-, verfahrens- und branchenspezifischen Fräswerkzeugen und dazugehöriger Spannmittel. Die Fertigung erfolgt in Deutschland, sogar die HSS-Fräser kommen aus Rückersdorf. Wir fertigen auch unterschiedlichste Sonderwerkzeuge für jeden Kundenwunsch. Diese werden mit Unterstützung unserer Außendienstmitarbeiter und Anwendungstechniker optimal auf die Bedingungen des Kunden abgestimmt, überall auf der Welt. Zum Service gehört auch Nachschleifen, Nachbeschichten oder die Bereitstellung von standardisierten Werkzeugdaten.

Sie verkaufen heute nicht nur Werkzeuge, sondern optimieren Fertigungsprozesse. Wo liegen hier die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Neue Werkstoffe, deren Eigenschaften genau auf spezielle Erfordernisse abgestimmt sind wie beispielsweise Composite-Materialien oder additiv gefertigte Werkstücke mit veränderten Materialeigenschaften stellen neue Anforderungen an Fräswerkzeuge. Leistungsfähigere Maschinen und CAM-Systeme benötigen Fräswerkzeuge mit neuen Eigenschaften. Dadurch entstandene neuartige Geometrien, wie etwa an unseren Kreissegmentfräsern, ermöglichen in der Freiflächenbearbeitung Zeiteinsparungen bis zu 90 Prozent im Vergleich zu Kugelfräsern. Solche Entwicklungen können wiederum zur Substitution von Bearbeitungsverfahren beitragen. Auch das enorme Potenzial von Industrie 4.0 zwingt zu neuen Prozessen und auch der Notwendigkeit, die Mitarbeiter zu schulen oder weiterzubilden.

"Die Ausbildung hat bei uns seit jeher einen hohen Stellenwert."

Helmut Glimpel

Wo wird die Reise in den nächsten zehn Jahren für Franken hingehen – wo sehen Sie künftig Ihre wichtigsten Branchen?

Wir legen weiter starken Augenmerk auf Fräswerkzeuge, die perfekt auf Kundenanforderungen abgestimmt sind. Das führt zu einer Zunahme an Sonderwerkzeugen. Neben den für uns traditionellen Branchen wie allgemeiner Maschinenbau, Automotive oder Energie spielt die Bearbeitung stark wachsender Marktsegmente eine große Rolle. Dazu zählen solche wie Luft- und Raumfahrt oder Medizintechnik.

Wie betrachten Sie derzeit den Bereich Automotive – welche Veränderungen wird es hier in naher Zukunft geben?

Hier ist bereits schon viel im Umbruch. Die Zunahme des Leichtbaus erfordert den Einsatz neuer Materialien und Technologien. Für uns heißt das, dass die Bearbeitung von Composite-Materialien oder additiv gefertigten Bauteilen zunehmen wird. Der steigende Anteil des Elektroantriebs wird bisherige Fertigungsverfahren eliminieren oder stark reduzieren. Auch werden viel weniger Komponenten verbaut, gerade rund um den Antriebsstrang.

"Der steigende Anteil des Elektroantriebs wird bisherige Fertigungsverfahren eliminieren oder stark reduzieren."

Helmut Glimpel

Sie sind heute in 49 Ländern mit Niederlassungen oder Vertriebspartnern vertreten. Gibt es noch weiße Flecken auf der Landkarte, die Sie erschließen wollen?

Ich denke, wir haben einen sehr hohen Internationalisierungsgrad erreicht. Wir sind in allen wichtigen Industrieregionen der Erde vertreten. Unsere jüngste Aktivität ist im Iran, wo wir Vertriebsstrukturen ausbauen.