Interview mit Gerald Martinetz, Mindbreeze

„KI ist nur so gut wie das Wissen dahinter“ – Cognitive Search in der Metallbearbeitung

Informationssilos bremsen KI-Initiativen in der Metallbearbeitung aus. Im Interview erklärt Gerald Martinetz von Mindbreeze, warum Cognitive Search zur zentralen Grundlage für produktive KI-Anwendungen wird – und wie Fertigungsbetriebe damit Stillstände reduzieren, Qualität sichern und Wissen langfristig nutzbar machen.

Gerald Martinetz ist Mindbreeze Enthusiast und verantwortet die Umsetzung KI-basierter Wissensmanagementlösungen für Kunden weltweit. Er bringt seine langjährige Erfahrung als Datenanalyst, Systemarchitekt und Projektmanager gezielt in die Weiterentwicklung intelligenter Such- und Analyseprozesse ein.
Gerald Martinetz ist Mindbreeze Enthusiast und verantwortet die Umsetzung KI-basierter Wissensmanagementlösungen für Kunden weltweit. Er bringt seine langjährige Erfahrung als Datenanalyst, Systemarchitekt und Projektmanager gezielt in die Weiterentwicklung intelligenter Such- und Analyseprozesse ein.

Herr Martinetz, viele Metallverarbeiter klagen über Informationssilos zwischen Produktion, Service und Einkauf. Warum wird gerade im industriellen Umfeld der Metallbearbeitung eine intelligente Unternehmenssuche zum unverzichtbaren Baustein für erfolgreiche KI-Initiativen?

Gerald Martinetz: Wie in vielen Bereichen hängen auch in der Metallbearbeitung fast alle zu treffenden Entscheidungen von Informationen ab. Das Problem ist: Diese liegen überall verteilt, in unterschiedlichen Systemen oder oft sogar im Kopf einzelner Mitarbeitender. Eine intelligente Unternehmenssuche bringt dieses Wissen zusammen und macht es für KI überhaupt nutzbar. Es entsteht ein zentraler, verlässlicher Wissenszugang, der die Grundlage für jede erfolgreiche KI-Initiative bildet.

Im Gartner Market Guide heißt es, dass mehr als ein Drittel der Mitarbeitenden Schwierigkeiten hat, relevante Informationen zu finden. Welche Folgen hat dieses Problem speziell für Produktionsbetriebe – etwa in Bezug auf Rüstzeiten, Qualitätsmanagement oder Serviceeinsätze an Maschinen?

Martinetz: Für Produktionsbetriebe ist das ein echter Effizienz-Killer. Wenn Mitarbeitende die richtigen Parameter, Materialfreigaben oder Prüfprotokolle nicht finden, verlängern sich Rüstzeiten automatisch. Im Qualitätsmanagement fehlen oft historische Daten, um Abweichungen schnell einzuordnen – und im Service wühlt man sich durch Handbücher oder E-Mails, während die Maschine bereits steht. Das summiert sich zu enormen Kosten, die sich eigentlich vermeiden lassen. Eine intelligente Unternehmenssuche stellt diese Informationen sofort bereit. Genau das macht den Unterschied.

Wie verändert ein unternehmensweiter Knowledge Graph konkret die Fehlerdiagnose und Wartung in metallverarbeitenden Betrieben? Können Sie ein Beispiel nennen, wie sich dadurch Stillstände oder Ausschuss reduzieren lassen?

Martinetz: Ein Knowledge Graph vernetzt alle relevanten Informationen miteinander: Maschinendaten, Ersatzteillisten, Serviceberichte, Materialchargen. Das verändert die Fehlerdiagnose vollkommen. Statt nur einzelne Dokumente oder Anwendungen separat zu durchsuchen, wird einem Techniker das Gesamtbild des Problems per Knopfdruck zusammengestellt.

Ein Beispiel: Wenn eine Maschine regelmäßig Störungen zeigt, erkennt das System, welche Werkzeuge damit im Zusammenhang standen, welche Materialchargen betroffen waren und welche Wartungsarbeiten in der Vergangenheit durchgeführt wurden. Dadurch lassen sich Fehlerursachen schneller finden, Stillstände verkürzen und Ausschuss reduzieren.

Viele Unternehmen erwarten heute, dass KI „sofort spürbaren Wert“ erzeugt. Wo sehen Sie im Maschinen- und Anlagenumfeld die schnellsten und messbarsten Hebel – beispielsweise in Instandhaltung, Qualitätsprüfung oder im technischen Kundensupport?

 Martinetz: Instandhaltung, Qualitätsprüfung und der technische Kundensupport sind aus meiner Sicht die Bereiche, in denen KI heute am schnellsten einen spürbaren Nutzen bringt. Dort fallen viele wiederkehrende Aufgaben an. Von der Informationssuche über die Auswertung von Qualitätsdaten bis zur Erstdiagnose. KI kann diese Schritte unmittelbar beschleunigen, indem sie relevante Dokumente bereitstellt, Abweichungen automatisch erkennt oder Serviceteams bei der Fehleranalyse unterstützt.

Wesentlich sind dabei multimodale Large Language Models, die Text, Bilder, Videos, Audiodaten und technische Zeichnungen gleichermaßen verstehen. So lässt sich Wissen aus sehr unterschiedlichen Quellen, wie etwa Sensordaten, Prüfaufnahmen oder Maschinendiagrammen, zusammenführen und direkt nutzbar machen.

Durch Retrieval-Augmented Generation (RAG) ist zudem völlig transparent, woher jede ausgegebene Information stammt. Die KI bezieht sich lediglich auf legitime Quellen wie Handbücher, Serviceprotokolle oder Konstruktionsunterlagen. Das reduziert Halluzinationen und erhöht die Verlässlichkeit der Empfehlungen.

Für die Mitarbeitenden bedeutet das: präzise, kontextbezogene Antworten, nachvollziehbare Diagnosen und sichere Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Der Nutzen zeigt sich schnell: weniger Stillstand, weniger Nacharbeit und kürzere Reaktionszeiten. Genau dort entsteht der sofortige Wert, den viele Unternehmen erwarten.

Metallverarbeitung ist geprägt von komplexen Fertigungsabläufen, strengen Normen und hoher Dokumentationspflicht. Wie hilft Cognitive Search dabei, Compliance-Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig das Erfahrungswissen der Belegschaft zu sichern?

 Martinetz: In der Metallverarbeitung ist entscheidend, dass jede Änderung, jede Messung und jeder Vertrag stets nachvollziehbar bleibt. Eine intelligente Wissensmanagementlösung hilft dabei, indem sie alle relevanten Informationen aus ERP-Systemen, Fileservern, Archiven oder älteren PDFs zu einer einheitlichen 360-Grad Sicht zusammenführt. So sind Dokumente, Versionen, Fristen und Prozessnachweise auf Knopfdruck auffindbar. Ein großer Vorteil für Compliance und Audits.

Gleichzeitig ermöglicht die Lösung eine automatische Analyse dieser Inhalte: Vertragsdaten, Risiken, Abweichungen oder wichtige Fristen werden erkannt und strukturiert dargestellt. Auch komplexe Dokumente lassen sich rasch zusammenfassen oder miteinander vergleichen, was die Prüfung deutlich beschleunigt.

Und ein weiterer Punkt ist die Wissenssicherung: Schulungsunterlagen, interne Hinweise oder Lessons Learned bleiben verfügbar und durchsuchbar, statt in Silos zu verschwinden. Damit erfüllt man nicht nur die Dokumentationspflicht, sondern stellt sicher, dass das Erfahrungswissen der Belegschaft langfristig erhalten bleibt.

Was sind aus Ihrer Sicht die häufigsten Missverständnisse, wenn metallverarbeitende Unternehmen über KI nachdenken – und wie löst eine intelligente Suche diese typischen Blockaden?

Eines der größten Missverständnisse ist der Glaube, KI könne einfach so magisch Wissen erzeugen. In Wahrheit ist KI nur so gut wie die Daten, auf die sie zugreifen kann. Ganz nach dem Garbage in, Garbage out Prinzip – wenn ich dem System nur Datenmüll liefere, dann sind auch die Ergebnisse unzuverlässig. Eine intelligente Suche räumt genau dieses Hindernis aus dem Weg: Sie bringt Ordnung ins Datenchaos, macht Wissen auffindbar und sorgt dafür, dass die KI auf verlässliche Quellen zugreift. Das ist oft der Moment, in dem Unternehmen merken, dass der Wert von KI nicht durch das Modell allein entsteht, sondern durch die Qualität des zugrunde liegenden Wissens.

Welche Best Practices sehen Sie bei Industrieunternehmen, die KI durch Enterprise Cognitive Search erfolgreich von Pilotprojekten in den produktiven Alltag überführt haben? Welche Schritte empfehlen Sie Fertigungsbetrieben, die jetzt starten wollen?

Was wir branchen- und industrieübergreifend bei vielen Unternehmen sehen, die KI erfolgreich vom Pilotprojekt in den produktiven Alltag überführen, ist ein sehr klar gewählter Einstiegspunkt mit schnellem, sichtbarem Nutzen. Ein typisches Beispiel dafür ist der Customer Service, aber genauso eignen sich auch andere operative Bereiche. Entscheidend ist, dass der Use Case nah an der täglichen Arbeit liegt und ein konkretes Problem löst.

Ein gutes Beispiel dafür ist FANUC, ein Anbieter von Automatisierungs- und Robotiklösungen. Dort haben wir Mindbreeze InSpire direkt in das bestehende Serviceportal integriert, ganz unkompliziert über unsere Konnektoren. So konnten wir sofort alle relevanten Informationen aus unterschiedlichsten Systemen zugänglich machen und mit KI-Funktionen wie das Chatten mit Dokumenten oder Erstellen von Zusammenfassungen echten Mehrwert schaffen. Der Nutzen war für die Service-Teams rasch sichtbar.

Für Unternehmen, die jetzt starten wollen, lässt sich daraus ein Handlungsplan ableiten: mit einem klar definierten Use Case beginnen, messbare Ziele festlegen, einen Proof of Concept mit realen Daten umsetzen und die Mitarbeitenden früh einbinden. So gelingt nicht nur der Einstieg, sondern auch die nachhaltige Skalierung im Unternehmen.