Das Fundament der Präzision: Wie ein Verbundwerkstoff das Rundschleifen revolutionierte
Beim Schleifen entscheidet nicht nur die Maschine – sondern das, worauf sie steht. Seit 50 Jahren bildet der Mineralgusswerkstoff Granitan® das Herzstück der Studer-Rundschleifmaschinen: mit 15-fach besserem Dämpfungsverhalten als Grauguss und Präzision im Mikrometerbereich. Was 1976 als Innovation begann, wird zur Plattform für die Schleiftechnik von morgen.
Redaktion FERTIGUNGRedaktionFERTIGUNG
Das Kaltgießverfahren erlaubt z.B. die Integration von Rohren und Leitungen.Studer
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Es herrscht eine konzentrierte
Arbeitsatmosphäre, während Mitarbeitende in Arbeitsanzügen sorgfältig die Form
vorbereiten: Sie installieren Rohre, Kabel, Platten, Gewindedübel und Schienen.
Anschließend giesst eine mächtige Maschine die zähflüssige, nach einem
strenggehüteten Rezept gemischte Masse mit verschiedenen Gesteinskörnungen
hinein. Es handelt sich um eine Mineralgussmischung, welche in weniger als
einem Tag zu einem Hochleistungs-Maschinenbett aushärten wird. Seit 50 Jahren ist
dieser Verbundwerkstoff, Granitan®, das Fundament für die berühmte Genauigkeit
und Zuverlässigkeit von Studer-Rundschleifmaschinen.
"Es war eine wegweisende
Innovation im Werkzeugmaschinenbau, als im Jahr 1976 mit der RA5 die erste
serienmässige Rundschleifmaschine mit einem Granitan®-Maschinenbett auf den
Markt kam", sagt Lennard Vorwerk-Handing, Entwicklungsingenieur bei
Studer. Der bis dahin übliche eisenbasierte Grauguss ließ sich nämlich nur bei
sehr hohen Temperaturen formen und erforderte aufwändige Nachbearbeitungen.
Granitan® hingegen sei bei Raumtemperatur gestaltbar, ähnlich wie Beton.
Tatsächlich hatten zuvor einige Hersteller mit zementbasierten Maschinenbetten
experimentiert. "Zementgebundene Betone weisen eine signifikant größere
Schwindung auf und neigen zur Feuchtigkeitsaufnahme. Die erforderliche absolute
Langzeitstabilität war damit nicht erreichbar", erklärt Vorwerk-Handing.
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Hochleistungsmaterial
mit vielen Vorteilen
Mit größter Sorgfalt wird die Gießform montiert.Studer
Schließlich hatte
das Entwicklungsteam aus Fachleuten von Studer und einiger
Partnerorganisationen die entscheidende Idee: Statt Zement diente Epoxidharz
als Zwei-Komponenten-Bindemittel, das langfristig stabil ist und kein Wasser
aufnimmt. Der Granitan® getaufte Mineralgusswerkstoff war für Präzisionsteile
geeignet und zudem auch in Eigenregie schnell und effizient formbar.
Ohne
aufwendiges Nachbearbeiten lassen sich damit endformnahe Maschinenkomponenten
herstellen sowie Strukturen und Leitungen im Kaltgießprozess direkt in die
Form integrieren. Die gegenüber Grauguss energiesparsamere Herstellung wirkt
sich zudem positiv auf die Nachhaltigkeitsbilanz der gesamten Maschine aus, so Studer.
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Für
die Präzision im Schleifprozess war Granitan® laut Studer ebenfalls eine Revolution. Denn einer der herausragenden
Vorteile sei das gegenüber Grauguss etwa fünfzehnmal bessere Dämpfungsverhalten.
Schwingungen würden vom Material schnell absorbiert. "Das liegt daran,
dass die Kontaktflächen zwischen den Gesteinskörnern und der Bindemittel-Matrix
die Schwingungsenergie effizient vernichten", erläutert Vorwerk-Handing. Dies
sei besonders beim Präzisionsrundschleifen wichtig, wo bereits kleinste
Schwingungen zu Oberflächenmarken führen können. Dank Granitan® erreichen
Studer-Kunden eine höhere Produktqualität und können die Präzisionsrundschleifmaschinen
auch ohne spezielle Fundamentierung betreiben, heißt es.
Mit der Einführung des ersten Granitan®‑Maschinenbetts 1976 setzte Studer einen Meilenstein: Im Gegensatz zu traditionellem Grauguss lässt sich Granitan® bei Raumtemperatur formen und bietet außergewöhnliche Langzeitstabilität und höchste Genauigkeit. Erfahren Sie im Video, wie dieses innovative Material ein halbes Jahrhundert Studer‑Präzision geprägt hat.
Granitan® wird stetig weiter optimiert
Auch die thermischen Eigenschaften von Granitan® sind laut Studer beachtlich. Denn im Vergleich zu Grauguss könne es doppelt so viel
Wärmeenergie aufnehmen, bevor sich die Temperatur um ein Grad Celsius ändert.
Auch werde die Wärme im Maschinenbett bis zu 13-mal langsamer weitergeleitet.
Gleichzeit habe es aber ein ähnliches Ausdehnungsverhalten wie Stahl oder Eisen,
wodurch es an Koppelstellen zu Maschinenteilen aus Metall nicht zu Spannungen
käme. Dadurch zeige sich Granitan® robust
gegenüber den im Produktionsalltag üblichen Temperaturschwankungen in
Werkhallen und ermögliche reproduzierbare Schleifpräzision selbst in nicht
exakt klimatisierten Räumen.
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Granitan® ist mehr als nur ein Material, es ist ein Technologie-Baukasten und eine Plattform für zukünftige Innovationen
Rolf Grossenbacher, Verkaufsleiter Far East bei Studer
Moderne
Studer-Rundschleifmaschinen sind High-Tech-Anlagen mit weitreichenden digitalen
Fähigkeiten, sensibler Sensorik sowie Automations- und Vernetzungsfeatures.
Granitan® ist aber als Maschinenbett noch immer das Fundament für die Präzision
und Zuverlässigkeit, erklärt das Unternehmen. Der Grund dafür seien die
kontinuierliche Optimierung und Weiterentwicklung: Das heutige Granitan® ist
das Ergebnis intensiver Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten in der Materialzusammensetzung
und Herstellungstechnik. Seit 2009 fertigt Studer seine
Granitan®-Maschinenbetten im Rahmen eines Joint Ventures mit dem Unternehmen
Schneeberger in einer hochspezialisierten Fertigungsanlage im tschechischen
Cheb – weiterhin mit eigenem Studer-Rezept und Prozessführung.
Darüber
hinaus gibt es heute Granitan®-Rezepturen für spezifische Anwendungen: Die
Basismischung S103 bildet den massiven, hochdämpfenden Maschinenbettgrundkörper,
während feinkörnige Spezialmischungen für das Eingießen von
Präzisionskomponenten genutzt werden. So erlaubt die Granitan® Technologie die
hochpräzise Herstellung der StuderGuide® Führungsbahnen
mit Genauigkeiten im Mikrometerbereich in der
werkseigenen Abformerei. Die enorme Gestaltungsfreiheit des bei der Urformung flüssigen
Materials führt zu hochkompakten und wartungsfreundlichen Maschinendesigns, die
mit anderen Fertigungsmethoden nicht realisierbar wären, so Studer.
Ein stabiles Fundament
für die Zukunft
Fünf Jahrzehnte nach
der Markteinführung beschreibt Studer Granitan® als "Synonym für ein stabiles Maschinenbett" geworden,
das in der Branche bis heute Maßstäbe setzt. Kombiniert
führen die Vorteile für Kunden laut Herstellerangaben zu höherer Werkstückqualität, zuverlässigerer
Produktion und längeren Standzeiten. Angesichts der wachsenden Anforderungen
an Präzision, Nachhaltigkeit und Flexibilität bleibe es deshalb eine
unverzichtbare Basis in der spanenden Fertigung, egal ob für den Automobilbau,
die Luft- und Raumfahrt, Elektronik oder Medizintechnik.
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Um den Erfolg seiner
Kunden auch künftig sicherzustellen, investiert Studer konsequent weiter in
Optimierungen und neue Features. Ein spannender Ausblick in die Zukunft ist zum
Beispiel die mögliche Integration von Sensorik und Elektronik direkt in das
Maschinenbett, was dank des Kaltgießverfahrens möglich ist. "Granitan®
ist mehr als nur ein Material, es ist ein Technologie-Baukasten und eine Plattform
für zukünftige Innovationen", sagt Rolf Grossenbacher, Verkaufsleiter Far
East, und fügt hinzu: "Unser Hochleistungswerkstoff Granitan® wird auch in
Zukunft dazu beitragen, dass Kunden mit Studer-Maschinen an der Spitze des
technologisch Machbaren schleifen können."
Studer auf der Grinding Hub 2026: Halle 9, Stand 9B50.3
Quelle: Studer, bearbeitet von Annika Ostermeier
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FAQ: Granitan® bei Studer – kurz erklärt
Was ist Granitan®? - Ein Mineralguss-Verbundwerkstoff, der bei Studer vor allem für Maschinenbetten eingesetzt wird.
Warum nutzt Studer Granitan® für Maschinenbetten? - Weil das Material laut Hersteller Schwingungen gut dämpft und thermisch stabil sein soll.
Welche Rolle spielt die Dämpfung in der Praxis? - Weniger Schwingungen können helfen, Oberflächenmarken zu reduzieren und die Prozessstabilität zu verbessern.
Welche Vorteile hat das Kaltgießverfahren? - Bauteile können endformnah entstehen; Leitungen oder Einbauteile lassen sich teils direkt integrieren.
Wird Granitan® weiterentwickelt? - Ja, Studer spricht von laufender Optimierung sowie Rezepturen für unterschiedliche Anwendungen.