Zitat
„Einmal mehr hat sich gezeigt, wie beide Seiten von einer gemeinsamen Werkzeugentwicklung unter Praxisbedingungen profitieren können.“
Lars Winkler, Sandvik Coromant
Bild: © crazymedia - fotolia.com

Zitat „Einmal mehr hat sich gezeigt, wie beide Seiten von einer gemeinsamen Werkzeugentwicklung unter Praxisbedingungen profitieren können.“ Lars Winkler, Sandvik Coromant Bild: © crazymedia - fotolia.com

Seit 1992 fertigt die SPS Schiekel Präzisionssysteme GmbH hochwertige Präzisionsdreh- und Frästeile aus schwer zerspanbaren Werkstoffen wie Edelstahl. Dabei hat sich der Mittelständler aus Dohna auf die Klein- und Mittelserienproduktion spezialisiert. Die Bauteile kommen unter anderem in der chemischen, pharmazeutischen sowie in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz, außerdem in der Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Mess-, Sensor- und Reinstraumtechnik. Starken mechanischen Belastungen müssen sie ebenso standhalten wie aggressiven Medien.

Da die Bauteile äußerst anspruchsvoll in der Herstellung sind und mit sehr engen Toleranzen zerspant werden, sucht SPS permanent nach

Sandvik Abstechsystem

Sandvik Coromant und SPS haben das neue Abstechsystem CoroCut QD unter Produktionsbedingungen getestet und weiterentwickelt.
Bild: Sandvik

Möglichkeiten, Fertigungsprozesse zu optimieren und effektiver zu gestalten. Dabei arbeitet das Unternehmen bereits seit seiner Gründung mit Sandvik Coromant, dem Weltmarktführer für Werkzeuge und Zerspanungslösungen, zusammen. Etwa 60 Prozent der bei SPS eingesetzten Werkzeuge stammen von dem schwedischen Unternehmen, im Einsatz sind neben Vollhartmetallwerkzeugen wie CoroCut XS und CoroCut MB auch Drehwendeplatten, Fräser und Wendeplattenbohrer.

Auf einen Blick

Corocut QD Sandvik Coromant

  • obere und untere Kühlschmierstoffzufuhr an allen Werkzeugen
  • einfacher Kühlschmierstoffanschluss mit steckbaren Adaptern
  • Plattengeometrien für optimalen Kühlschmierstoffzugang
  • Wendeschneidplattensorten mit hoher Schneidkantenstabilität
  • Spanbrechergeometrie
  • Wiper-Wendeplatten für verbesserte Oberfläche bei hohen Vorschüben
  • Werkstofflegierung mit hoher Dauerfestigkeit

Im Rahmen der langfristigen Partnerschaft wurde bereits eine Vielzahl gemeinsamer Projekte realisiert. Optimale Bedingungen also, um ein neues Werkzeugsystem in der Praxis zu testen. Gemeinsam entschieden Sandvik Coromant und SPS, das neue Abstechsystem CoroCut QD unter Produktionsbedingungen zu testen, um die Fertigung und das Werkzeug gleichzeitig zu optimieren. Die Implementierung eines solchen Systems birgt einige Herausforderungen: Da das Abstechen am Ende des Bearbeitungsprozesses steht, sind oft schon viele teure Maschinenstunden in das Werkstück geflossen. Um am Ende ein aussagekräftiges, verlässliches Ergebnis zu erhalten, legten beide Partner besonderen Wert auf die exakte Planung der Rahmenbedingungengen.

SPS Maschinenbediener

Maschinenbediener Roland Pietsch bei der Werkzeugkontrolle.
Bild: Sandvik

Aufeinander abgestimmt

Zunächst wurden dabei Bearbeitungsbedingungen, Maschinen, Bauteile und Material definiert. Schließlich müssen bei einem Plug-and-play-System Maschinen, Werkzeuge, Grundaufnahmen und Wendeschneidplatten exakt aufeinander abgestimmt sein. Der Aufwand der Produktionsumstellung war insgesamt jedoch gering, da die Werkzeuge eins zu eins ausgetauscht werden konnten – ohne viele Anpassungen an Programmen oder Datenblättern. Im Systemtest über drei Monate wurde CoroCut QD bei der Fertigung von Flanschen, Adaptern und Gehäusen auf CNC-Drehmaschinen zusammen mit Stechschwertern und Schafthaltern von 2 bis 5 mm Breite eingesetzt. Die Bauteile wurden zunächst fertig bearbeitet und erst im letzten Bearbeitungsschritt von der Stange abgestochen oder aus dem Rohmaterial abgetrennt.

Optimierungen am Prozess wurden in kontinuierlicher Zusammenarbeit von Sandvik Coromant-Technikern und den SPS-Mitarbeitern ausgearbeitet und umgesetzt. Alle Erkenntnisse flossen so direkt in die Weiterentwicklung von CoroCut QD ein. Angestrebt waren zunächst verlässliche Standmengen und ein

Sandvik CoroCut-QD-System

Bei SPS wurden bereits alle verfügbaren Stechbreiten auf das neue
CoroCut-QD-System umgestellt.
Bild: Sandvik

geringerer Materialverbrauch durch die schmaleren Stechbreiten. Im Laufe des Entwicklungsprozesses wurden aber noch weitere Vorteile deutlich. Dank der Innenkühlung wird das Kühlmittel jetzt auch bei tiefen Abstichen direkt an die Schnittzone gebracht – das verbessert die Standzeit, die Oberflächengüte und die Prozessstabilität. Zudem konnte der Werkzeug- und Wendeschneidplattenwechsel durch das Plug-and-play-System vereinfacht werden; störende Schläuche entfallen nun komplett.

Vorteile des Abstechsystems

Die zahlreichen Vorteile des neuen Abstechsystems CoroCut QD gegenüber den Vorgängersystemen überzeugten SPS so sehr, dass bereits zur offiziellen Markteinführung alle verfügbaren Stechbreiten auf das neue CoroCut-QD-System umgestellt wurden. „Durch den Einsatz von CoroCut QD konnten wir die Bearbeitungszeit unserer Bauteile um 30 Prozent senken und damit unsere Liefertreue weiter verbessern. Die Werkzeugkosten fallen nun um 20 Prozent geringer aus, auch die Zahl der Ausschüsse und Nacharbeiten ist spürbar gesunken“ erklärt Gert Schiekel, Geschäftsführer von SPS Schiekel. „Diese Optimierung ist besonderes erfolgskritisch, da das Abstechen der letzte Bearbeitungsschritt ist und die vorangehenden Fertigungsschritte bereits erhebliche Kosten verursacht haben.“

SPS Team

Martin Baum (links) aus der Arbeitsvorbereitung bei SPS und Sandvik Coromant Außendienstmitarbeiter Steffen Lange mit dem CoroCut-QD-System.
Bild: Sandvik

Wie erfolgreich die Einführung neuer Fertigungssysteme gelingt, hängt immer auch von der Akzeptanz der Maschinenbediener ab. „Dank der sofort sichtbaren Prozessverbesserungen, beispielsweise dem reduzierten Bedarf an Werkzeugvarianten, kürzeren Rüstzeiten sowie stabileren Prozessen mit weniger Maschinenstillständen, wurde das CoroCut- QD-System bei uns sofort angenommen“, kommentiert Martin Baum aus der Arbeitsvorbereitung von SPS. Mit dem Gesamtergebnis waren sowohl SPS als auch Sandvik Coromant sehr zufrieden. „Einmal mehr hat sich gezeigt, wie beide Seiten von einer gemeinsamen Werkzeugentwicklung unter Praxisbedingungen profitieren können“, unterstreicht Lars Winkler, Technischer Leiter bei Sandvik Coromant. „Unser nächstes Projekt ist bereits in Planung: Gemeinsam mit SPS werden wir unser neues Axial-Stechsystem im Entwicklungsstadium testen. Auch dabei wollen wir durch kontinuierliche Weiterentwicklung Kosten senken, die Produktivität steigern und letztlich den gesamten Prozess optimieren.“

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