Dürr Spinner TTS

Obwohl die Spinner TTS 65-Duplex über einen Stangendurchlass von 65 mm verfügt, werden damit ausschließlich die Durchmesser 23 bis 32 Millimeter bearbeitet. - Bild: Dürr, Spinner

Eine Investition, die sich mittlerweile in allen Belangen rechnet, denn die Fertigungszeiten konnten um zwölf Prozent reduziert werden.

Gegenspindel Dürr Spinner

Eine der Grundvoraussetzungen bei der Investition war die Gegenspindel, um die Senkwerkzeuge in einer Aufspannung komplett zu bearbeiten. – Bild: Dürr, Spinner

Senkwerkzeuge werden bei der Dürr Präzisionswerkzeuge GmbH in Öhringen von der Stange, aus HSS nach Zeichnungsvorgabe mit einem gewissen Aufmaß gedreht und anschließend nach dem Härten fertig bearbeitet. Mit den Losgrößen von maximal 1.000 Stück ist das kein ungewöhnlicher Prozess. In Öhringen verfügt man so mittlerweile über eine Fertigungstiefe (außer dem Härten und Beschichten) von 95 Prozent. Das Problem lag bislang allerdings darin, dass der Außendurchmesser des Einspannschafts der Senkwerkzeuge auf der Hauptspindel gedreht wurde. Um den Kegel anschließend in der Länge und Plan zu drehen, musste das Werkstück per Hand umgespannt werden.

Dürr Senkwerkzeuge

Bei diesen Senkwerkzeugen mit Losgrößen von maximal 1000 Stück konnten die Fertigungszeiten um bis zu 12 Prozent reduziert werden. – Bild: Dürr

Eine Vorgehensweise, die für Geschäftsführer Wilhelm Marx aus unterschiedlichen Gründen nicht länger akzeptabel war: “Zunächst ist es so, dass wir eine Mehrmaschinenbedienung haben. Das Umspannen per Hand hat den Mitarbeiter an dieser Maschine aber unverhältnismäßig hoch gefordert. Zudem, und das erscheint mir noch wichtiger, kommt es bei unseren Stückzeiten tatsächlich auf die Sekunde an, denn die Preise, die am Markt bezahlt werden, zwingen uns im Cent-Bereich hochproduktiv und wirtschaftlich zu fertigen. Das ist nur möglich, wenn wir diese Werkstücke in einer Aufspannung komplett bearbeiten. Unsere alte Drehmaschine für dieses Werkzeugsegment war zwar mechanisch noch in Ordnung, die Elektronik aber sehr störungsanfällig. Und die Maschine war ohne Gegenspindel. Neben den Grundvoraussetzungen wie langlebig, zuverlässig und wirtschaftlich musste die neue Maschine deshalb auch unbedingt über eine Gegenspindel verfügen.”

Im Profil

Dürr Präzisionswerkzeuge
Das Unternehmen mit einer 75-jährigen Tradition wurde 1994 neu gegründet und gilt als Marktführer im Bereich Senkwerkzeuge. 1999 wurde zudem die Produktion der Weba AG, Schweiz (Erfinder des 3-Schneiden-Kegelsenkers) übernommen. Neben hoher Präzision und Qualität sieht das Unternehmen seine Stärken vor allem im Bereich von zeichnungsgebundenen Sonderwerkzeugen, also abseits der DIN, die ab einer Losgröße 1 innerhalb von nur zwei Wochen angefertigt werden können. Die Dürr Präzisionswerkzeuge beschäftigt derzeit 40 Mitarbeiter, von denen seit der Neugründung 1994 auch 18 als Gesellschafter agieren.

Hohe Ansprüche

Nun sind die Ansprüche, die man in Öhringen an neue Maschinen hat, nicht ganz so lapidar, wie das zunächst klingen mag.

Dürr Steuerung

Wahlweise lässt sich die TTS 65-Duplex mit einer Fanuc- oder Siemensteuerung ausrüsten. – Bild: Dürr

Einerseits dimensioniert man Maschinen wegen der Bearbeitung von HSS, damit verbunden die hohen Zugfestigkeit, immer eine Nummer größer und stellt so auch Maschinenkonzepte auf den Prüfstand. Auch deshalb steht man angebotenen Maschinen häufig sehr kritisch gegenüber, weil es eben doch einen Unterschied macht, ob man Buntmetalle, einen C45 oder legierte Werkzeugstähle zerspant.

Andererseits musste für die Verantwortlichen bei Dürr bei der neuen Maschine aber auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen. Entschieden hat man sich nach intensiver Recherche für die Spinner-Drehmaschine TTS65-Duplex zur Verarbeitung von Stangenmaterial. Gründe dafür waren neben dem erwähnten Preis-Leistungs-Verhältnis unter anderem der Service und – auf Grund der Platzprobleme – die Abmessungen der Maschine. Nach Auskunft von Marx bauen vergleichbare Maschinen bis zu zirka 1.000 Millimeter länger als die TTS65-Duplex. Ein weiteres Entscheidungskriterium war allerdings die Philosophie, dass man ausschließlich bei Herstellern innerhalb Europas investiert.

Problemloser Einsatz

Seit Juni 2015 ist die Maschine nun im Einsatz. Obwohl für einen Stangen-Durchlass von 65 Millimeter ausgelegt, werden damit nur die Durchmesser 23 bis 32 Millimeter bearbeitet. Für diese Größenordnung, so Marx, ist die Maschine in sich so steif und stabil, dass sie das Pensum problemlos bewältigt.

Dürr Wilhelm Marx

Wilhelm Marx, Dürr Präzisionswerkzeuge: “Ich bezweifle, dass eine kostenintensivere Maschine unser Werkstückspektrum effizienter und zuverlässiger zerspant als die Maschine von Spinner.” – Bild: Dürr

Obwohl man bereits vor vier Jahren in eine Maschine von Spinner (TC77) investiert hatte und damit ausgesprochen zufrieden ist, war die TTS65-Duplex kein Selbstläufer. Im Gegenteil, zunächst konzentrierte man sich wegen der Markentreue und aus Tradition auf einen anderen Hersteller. Dazu Marx: “Diese Maschinen waren wirklich robust und langlebig. Um es aber kurz zu machen, das aktuelle Preis-Leistungs-Verhältnis mit einem fast 30 Prozent höheren Invest gegenüber der Maschine von Spinner war für uns einfach nicht mehr akzeptabel. Nun kannten wir Spinner und auch den Service. Und so hat sich schnell gezeigt, dass die Maschine all das erfüllt, was wir uns erhofft hatten.”

Im Detail heißt das, die Fertigungszeiten konnten bei Dürr Präzisionswerkzeuge in diesem Segment um bis zu 12 Prozent reduziert werden. Nun haben die Unternehmen Spinner und Hollenbach (Spinner Vertriebspartner) im konkreten Fall allerdings auch nichts dem Zufall überlassen.

Dürr Stangenzuführung

Als einzige Option hat man in Öhringen die LNS-Stangenzuführung benötigt. – Bild: Dürr

Überzeugendes Handling

Die ersten Werkzeugtypen wurden im Hollenbach-Technologiezentrum nach den Vorgaben programmiert und bearbeitet. Die Verantwortlichen von Dürr haben sich das angesehen und waren sowohl von den Stückzeiten wie vom Handling überzeugt. Als Option wurde deshalb nur noch die LNS-Stangenzuführung gezogen. So wurde Spinner einerseits den hohen Ansprüchen der Öhringer Werkzeughersteller gerecht. Andererseits kann das Unternehmen Dürr künftig die Senkwerkzeuge zu entsprechenden Marktpreisen fertigen.