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Wenn es um höchste Genauigkeit und Qualität geht, führt kein Weg an der Müller Präzisionsteile GmbH im oberpfälzischen Pyrbaum vorbei. Das 1965 von Georg Müller gegründete Unternehmen hat sich dem Thema Präzision in allen Facetten verschrieben. Ob Drehen, Fräsen, Schleifen bis hin zum Erodieren – bei Müller wird die ganze Prozesskette abgedeckt. Vom einstigen Werkzeugmaschinenhandel hat sich das Familienunternehmen auf Grund der stetig wachsenden Nachfrage nach Präzisionsteilen bereits im Jahr 1977 der Lohnfertigung in diesem Segment verschrieben. Mit 125 hochqualifizierten Mitarbeitern fertigt Geschäftsführer Stephan Müller, Sohn des Firmengründers, mittlerweile Prototypen und Kleinserien meist zwischen drei und 50 Stück für die Automobilindustrie und Luftfahrt. Heute zählt Müller Präzisionsteile europaweit zu den Top-Playern in der Branche. Kein Wunder, dass sich auch diverse Komponenten, wie Motorgehäuse, Radnaben oder Nockenwellen aus dem Motorsport in den Hallen finden. Zahlreiche Rennsportabteilungen setzen auf das Fertigungs-Know-how der oberpfälzischen Spezialisten – aber darüber spricht man selbstverständlich nach außen nicht.

Kellenberger Varia
Genauigkeit ist Trumpf: Die Varia Rundschleifmaschine verfügt über hydrostatische Führungen in allen Hauptachsen. - Bild: fertigung

„Zu unseren Merkmalen zählen die sehr gute Qualität unserer Präzisionsteile sowie unsere hohe Flexibilität“, bringt es Müller auf den Punkt. Dass Präzision bei Müller nicht nur eine leere Worthülse, sondern gelebte Firmenphilosophie ist, beweist zudem der umfangreiche und moderne Maschinenpark.

Kellenberger Varia Innenraum
Einzigartig: Die Varia bei Müller Präzisionsteile wurde für die speziellen Anforderungen für das Unrundschleifen von Nocken konzipiert. - Bild: fertigung

Abgerundet wird das Ganze von einem Messraum mit den verschiedensten Messmaschinen von Zeiss. Denn nur so lassen sich auch die Beuteile mit Toleranzen im µm-Bereich optimal überprüfen und die Ergebnisse dokumentieren. Schließlich hat Müller auch die höchste Zertifizierung für die Luft- und Raumfahrt nach EN 9100:2009 inklusive DIN EN ISO 9001:2008. Dass bei Müller die Messlatte für die eingesetzten Maschinen sehr hoch liegt, versteht sich von selbst. So kam es auch, dass beim Rundschleifen seit vielen Jahren vier Schweizer Präzisionsmaschinen von Kellenberger zum Einsatz kommen.

Nocken- und Innenschleifeinrichtung

Kellenberger Nockenwellen
Nockenwellen: Die Nocken weisen bei den Bauteilen für den Motorsport eine einfallende Kontur auf und sind sehr schwierig zu bearbeiten. - Bild: fertigung

Zwei CNC-Rundschleifmaschinen des Typs Varia mit Nocken- und Innenschleifeinrichtung sowie Polygon Software zum Unrundschleifen mit Innenschleifspindel sind speziell für Nockenwellen ausgelegt. Die neue Varia, die von Kellenberger vor zwei Jahren am Markt eingeführt wurde, vereint funktionelles Design mit hoch präziser Technik. Hydrostatische Führungen sind Garant für höchste Formgenauigkeiten bei Schleifaufgaben mit interpolierenden Achsen. Hohe Positioniergeschwindigkeiten und -genauigkeiten werden durch Direktantriebe bei den Rundachsen garantiert. Großzügige Achshübe in X und Z in Verbindung mit dem Plattformkonzept für Schleifkopfpositionen und Abrichtsystemen stehen für Universalität und erlauben applikationsspezifische Konfigurationen.

Betreut wird Müller von Roland Hüller, Geschäftsführer des Prematech Werkzeugmaschinenvertrieb, sowie Rolf Wald, Area Sales Manager bei Kellenberger. Hüller, der das Schleifen von der Pike auf gelernt hat und seit rund 30 Jahren in der Branche tätig ist, ist stets mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um knifflige Schleifaufgaben geht.

Die Herausforderung war, Nockenwellen kurzfristig und in höchster Qualität fertigen zu können.

Kellenberger Müller Team
Zufrieden mit dem Ergebnis (von links nach rechts): Roland Hüller, Prematech; Stephan Müller, Müller Präzisionsteile; Rolf Wald, Area Sales Manager Kellenberger. - Bild: fertigung

„Wir hatten mit Kellenberger quasi ein gemeinsames Projekt, als von unseren Motorsport- und Automotivekunden, für die wir immer Kleinserien und Prototypen gefertigt haben, die Anfrage kam, kurzfristig Nockenwellen zu fertigen“, erklärt Müller. Da dies in der Serienfertigung für manche Hersteller nicht realisierbar war, ist Müller kurzerhand in diese Marktlücke gestoßen. „Wir wollten aber dazu keine Nockenwellenserienmaschine anschaffen, da schlichtweg das Volumen gefehlt hat, und so haben wir den Kontakt mit Kellenberger intensiviert. Bereits vorher hatten wir eine rein mechanische Rundschleifmaschine U600 mit Innenschleifeinrichtung von Kellenberger und haben nach und nach drei weitere CNC-Rundschleifmaschinen aus der Schweiz angeschafft. Dabei haben wir uns nicht nur auf Durchmesser beschränkt, sondern auch Unrund- und Gewindeschleifen durchgeführt“, so Müller. Da es sich bei der Nockenwellenfertigung sozusagen um das Unrundschleifen handelt, hat Müller mit speziellen Spindeln die genügend Freiheit bei dieser Bearbeitung bieten, den Prozess optimiert. „Damit sind wir zwar nicht so schnell wie auf einer Serienmaschine, haben aber die nötige Flexibilität, die Teile schnell herstellen zu können“, erklärt Müller.