GrindSmart 630 XW, Rollomatic

Die GrindSmart 630 XW mit kompaktem Aufbau hat einen Flächenbedarf von 4,8 m2 . - Bild: Rollomatic

Die Highlights der GrindSmart 630XW sind die schnellen direkt angetriebenen Linear- und Rundachsen, der parallel ablaufende Wechsel von Schleifscheibenpaket- und Werkstück, die sehr bedienerfreundlich ausgelegte Programmiersoftware und vor allem die 6. Achse zur Neigung der Schleifscheibe, was optimale Schleifverhältnisse ermöglicht.

Maschinenaufbau

Arbeitsraum, GrindSmart 630XW Rollomatic
Alle Komponenten sind im Arbeitsraum gut zugänglich. - Bild: fertigung

Die Maschine ruht auf acht Nivellierschuhen, die eine Stahl-Schweißkonstruktion abstützen, in dem das Maschinenbett aus Grauguss aufgenommen wird. Auf diesem Bett sind alle Maschinenkomponenten installiert. Alle Linearachsen sind mit Direktantrieben ausgerüstet, was der Maschine eine hohe Dynamik verleiht. Die Z-Achse liegt in der Schleifachse, die X- und Y-Achse sind in einem Kreuzschlitten integriert, der die Werkstückspindel trägt. Bei den rotatorischen Achsen ist die B-Achse zur Drehung des gesamten Werkstückspindelstocks als Direktachse ausgelegt. Im Zusammenwirken mit der A-Achse der Schleifscheibe (die 6.Achse) bewirkt dies eine optimale Oberfläche und Genauigkeit in der Werkzeuggeometrie. Die C-Achse dreht das Spannfutter für die Werkzeugrohlinge.

Funktionalität mit der A-Achse
Beim Maschinen-Check wurde die Funktionalität mit der A-Achse (6.Achse) gezeigt, die eine Neigung der Schleifscheibe ermöglicht. - Bild: fertigung

Die Oberflächengüte und die Genauigkeit der geschliffenen Werkzeugschneide haben bei Rollomatic einen hohen Stellenwert. Bei Beginn der Bearbeitung kann der Rundlauf des Werkstücks im Spannfutter über eine patentierte Werkstückführung mit Korrekturmöglichkeiten im Bereich von 1 µm eingestellt werden. Dies ergibt zusammen mit der Wechselgenauigkeit in der HSK-50 Aufnahme der Schleifscheibenflansche und dem konstanten Schleifpunkt durch Verstellung der 6. Achse eine optimale Voraussetzung für Präzision im Schleifergebnis beispielsweise beim Radiusschleifen eines Kugelfräsers im Freiwinkel. Die A-Achse des Schleifspindelstocks gibt der Maschine auch eine höhere Flexibilität bei der Herstellung von komplexen Anschliffen. Spezielles Hinterschleifen ist durch diesen Freiheitsgrad möglich.

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Auf dem Kreuzschlitten können vielfältige Werkstückabstützungen aufgesetzt werden. Die Abstützung erfolgt über eine hydraulische Auf- und Abbewegung des Führungsprismas. Zusätzlich kann auch eine manuell einstellbare Stütze positioniert werden. Als Option steht ebenfalls eine Abrichteinheit zur Verfügung, die seitlich am Werkstückschlitten angebaut wird. Die Überwachung der Werkstückqualität kann über In-Process-Messungen mit Laser-System oder taktil erfolgen. Temperatureinflüsse im Prozess werden minimiert durch die gemeinsame Nutzung des Kühlmittels für den Schleifprozess,als auch für Motoren und Direktantriebe.

Führung des Werkstückschafts
Die Führung des Werkstückschafts erfolgt über ein patentiertes System, dessen Einstellung im µm-Bereich einfach und wiederholgenau ist. - Bild: fertigung

Rollomatic hat keine Eigenfertigung von Baugruppen. Alle Baugruppen werden hausintern konstruiert und erprobt. Einzelteile und teilweise ganze Baugruppen beziehen sie von langjährigen und zuverlässigen Unterlieferanten. Der Zusammenbau aller Maschinen wird bei Rollomatic sehr systematisiert und strukturiert in Montagelinien durchgeführt. In zehn fixen Positionen, mit definierten Montageinhalten wird jede Maschine durchgetaktet, wobei Richtwertvorgaben in der Taktfrequenz existieren. Ein Standard sind die in jeder Montageposition verfügbaren, jeweils abgestimmten, verfahrbaren Wägen mit Montagewerkzeug und Montagematerial.
Viel Wert wird darauf gelegt, dass jede Maschine produktionsreif das Haus verlässt. Abgesichert wird dies durch einen Produktionslauf im Hause mit anschließender, statistischer Auswertung der geschliffenen Qualität am produzierten Rollomatic-Abnahmewerkzeug (cpk-Auswertung von 50 Teilen). Umweltschutz ist Rollomatic wichtig, bewiesen durch jährliche Reduzierung von CO2-Emissionen, 50 Prozent eigene Stromversorgung, Verwendung von wiederverwertbaren Materialien und Reduzierung des Energieverbrauchs an den Maschinen.

Meine Meinung

Die GrindSmart 630XW arbeitet schnell und präzise. Dies unterstreichen die direkt angetriebenen Achsen und die diversen Einstellmöglichkeiten um Präzision im geschliffenen Werkstück zu gewährleisten. Sehr bedienerfreundlich ist die Software zur Jobgenerierung und Simulation, für die sogar Updates kostenlos sind. Beeindruckend ist die durchstrukturierte Fließmontage der Maschinen und die hausinterne Abnahme der Maschinen vor Auslieferung unter Produktionsbedingungen. Bei Industrie 4.0 werden Analysen des Prozesses angeboten, bei Auswertungen von Einsätzen im Service (TCO) wurden allerdings keine systematischen Auswertungen gezeigt. Edwin Neugebauer

Werkstückbeschickung

Linearhandling
Das Linearhandling zur Be- und Entladung wird über zwei Achsen in den Arbeitsraum gefahren. - Bild: fertigung

Die Be- und Entladung der Maschine übernimmt ein Pick-up-Linearhandling, das aus dem Palettenspeicher herausarbeitet, der bis zu 1000 Werkstücke aufnehmen kann. Ein Plus für die Maschine ist durch den Parallelbetrieb von Werkstückbeladung und Schleifscheibenwechsel gegeben, dadurch wird die Produktivität an der Maschine signifikant gesteigert. Ein Wechselzyklus wird in nur 8 s durchgeführt. Der Scheibenwechsler, bei Rollomatic als SmartChanger bezeichnet, kann auf sechs Steckplätzen bis zu 24 Schleifscheiben aufnehmen. Mit den Scheiben werden auch die angepassten Kühlmittelleitungen eingewechselt, deren Durchfluss einstellbar geregelt wird.

Schleifscheibenwechsler

Schleifscheibenwechsler
Der Schleifscheibenwechsler hat sechs Steckplätze. - Bild: fertigung

Der Scheibenwechsler, bei Rollomatic als SmartChanger bezeichnet, kann auf sechs Steckplätzen bis zu 24 Schleifscheiben aufnehmen. Mit den Scheiben werden auch die angepassten Kühlmittelleitungen eingewechselt, deren Durchfluss einstellbar geregelt wird.

Bearbeitung

Beim Check wurde eine GrindSmart 630XW-Maschine in Produktion beurteilt. Dabei konnten die Interpolation der sechs Achsen und die erzeugte Qualität am geschliffenen Werkzeug begutachtet werden. Gezeigt wurde auch die bedienerfreundliche Generierung eines neuen Schleifauftrags, in diesem Fall ein Kugelfräser, der in fünf Schritten innerhalb von zwei Minuten programmiert war.

Steuerung

Interpolation
Die Interpolation mit sechs Achsen erhöht die Flexibilität der Maschine. - Bild: fertigung

Die Maschine nutzt eine Fanuc-30i-Steuerung mit der Rollomatic-eigenen VirtualGrindPro-Software zur Generierung von Arbeitsprozessen. Die parallel ablaufende Simulation zeigt die Endkontur in 3D, sowohl am Werkzeug als auch die erzeugten Schleifbahnen. Beim Einsatz unterschiedlicher Schleifscheiben rechnet die Software automatisch eine neue Schleifbahn, so dass die geschliffene Kontur am Werkstück gleich bleibt. Die Geometrie der Schleifscheiben wird außerhalb der Maschine am Rollomatic-Voreinstellgerät Typ Alfa-Set mit einer Kamera vermessen, und die Werte werden direkt ins Schleifprogramm eingelesen. Neue Releases der Programmiersoftware werden dem Kunden kostenlos zur Verfügung gestellt.

Service/TCO

Die Abteilung Support ist mit sechs Technikern besetzt und die Hotline ist von Montag bis Freitag Die von 7.30 bis 17.30 Uhr besetzt. Zusätzlich sind europaweit 15 Service- und 20 Anwendungsfachleute verfügbar.

Beeindruckend war das im Hause installierte Hochregallager mit einer Kapazität von 30 000 Teilen. In Arbeit ist eine Online-Bestellung für Ersatzteile, die dem Kunden die Möglichkeit bieten wird, Ersatzteile direkt über das Internet zu bestellen. Wartungsverträge werden keine angeboten, aber über ein SmartPremiumPack bietet Rollomatic in Europa drei Jahre Garantie ohne Betriebsstundenbegrenzung, und nach der Garantiezeit können Kunden den Wartungsbedarf ihrer Maschine checken lassen und einen Wartungsaufwand dafür anfragen. Bezüglich der Aktivitäten zur Realisierung von Industrie 4.0 bietet Rollomatic dem Kunden Aufzeichnungen und Auswertungen des Betriebseinsatzes der Maschine in ihren Tools RMonitor und RConnect. Daten aus Monteureinsätzen beim Kunden werden manuell in ein ERP-System übertragen. In wöchentlichen Meetings werden intern Kundenbelange analysiert und Maßnahmen festgelegt. nh