Chinesische Mauer

Chinas Regierung nutzt die Digitalisierung, um mithilfe einer aktiven Industriepolitik und der Strategie "Made in China 2025" weltweit führend in künftigen Schlüsseltechnologien zu werden. - Bild: aphotostory/Adobe Stock

Der Spritzgieß- und Reaktionstechnik-Spezialist KraussMaffei, der Automatisierungs- und Roboterhersteller Kuka, der Pressenhersteller Maschinenfabrik Lauffer und die auf Werkzeuge und Beschichtungen spezialisierte Wolf Gruppe – alle diese Unternehmen haben eines gemeinsam: einen chinesischen Investor beziehungsweise Eigentümer.

Die Politik zeigt sich alarmiert und viele fürchten, dass Schlüsseltechnologien in Zukunft nach China abwandern werden – was auch mit der chinesischen Industriepolitik zusammenhängt. Die Regierung Chinas sieht die Digitalisierung als die Gelegenheit, um mithilfe einer aktiven Industriepolitik weltweit führend in künftigen Schlüsseltechnologien zu werden. Dazu hat die chinesische Regierung im Jahr 2015 die Strategie "Made in China 2025" beschlossen, die nach dem Vorbild des deutschen industriepolitischen Konzepts Industrie 4.0 erarbeitet wurde.

Ziel von "Made in China 2025" ist es laut der Vereinbarung des chinesischen Staatsrats, das Land "bis zum 100. Jahrestag der Gründung des Neuen Chinas zu einer Industriegroßmacht aufzubauen, die die Entwicklung des globalen Industriesektors aufbaut."

Investitionsverhalten gemäß "Made in China 2025"

Dass die Chinesen sich den in der Strategie festgesetzten Aufgaben und Schwerpunkten nun besonders widmen, ist am Investitionsverhalten chinesischer Unternehmen zu sehen. Seit der Verkündung hat die Anzahl der Beteiligungen an Unternehmen aus den in der Strategie erwähnten Branchen deutlich zugenommen. "Made in China 2025" nennt zehn Schlüsseltechnologien – vor der Veröffentlichung der Strategie beschränkten sich die chinesischen Investitionen auf nur sechs dieser Branchen, seit 2015 wird in alle zehn investiert. Dies zeigt sich auch in Deutschland.

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Gerade Unternehmen aus Industrie und Maschinenbau stehen im Fokus der chinesischen Investoren. - Bild: Statista/Bertelsmann Stiftung

Laut Untersuchungen der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY wurden 2017 von chinesischen Unternehmen in Deutschland 54 Transaktionen abgeschlossen. Das sind zwar ein Drittel weniger Transaktionen als im Vorjahr, aber weiterhin liegt die Bundesrepublik im Länderranking vorne und auf chinesischer Seite wird über weitere Investitionen nachgedacht.

"Das Interesse gerade an deutschen Industrie- und Hightech-Unternehmen ist ungebrochen", sagt Yi Sun, Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz bei EY. Sun sieht diese Entwicklung vor allem als Chance für deutsche Unternehmen: "Viele aufstrebende Mittelständler stoßen an Wachstumsgrenzen - sie können die von ihren Kunden erwartete Expansion und die damit verbundenen Investitionen nicht aus eigener Kraft stemmen", erläutert sie diese Meinung. "Ein chinesischer Investor mit der entsprechenden Finanzkraft und Zugang zum chinesischen Absatzmarkt ist da häufig genau der richtige Partner."

Die Sorgen vor einem Ausverkauf deutschen Know-hows hält sie in den meisten Fällen für unbegründet - zudem gibt sie zu bedenken, dass einige deutsche Unternehmen die Finanzspritze aus China dringend nötig haben, sonst seien letztendlich deutsche Arbeitsplätze in Gefahr.