Karl Deufel, Leiter Key Account Automotive bei Chiron.

Karl Deufel, Leiter Key Account Automotive bei Chiron.

Herr Deufel, Chiron baut hochproduktive Präzisions-fertigungszentren in teils mehrspindligen Varianten. Aus welchen Gründen hat Chiron die Scherer Feinbau GmbH übernommen?
Das liegt an der historischen Struktur von Chiron. Wir bauen Maschinen, mit denen der Anwender bohrt und fräst, teilweise simultan in fünf Achsen. Aber bislang konnten wir nicht drehen. Scherer baut hervorragende Drehmaschinen, die vielfach bei Automobilherstellern und -zuliefern eingesetzt werden. In der Kombination können wir nun auch Teile wie Masterzylinder bei Bremssystemen fertigen.

Wie haben sie entsprechende Komplettbearbeitungssysteme vorher gelöst?
Der Anwender möchte automatisieren. Nur dadurch kann er den Kostendruck senken und zugleich die Teilequalität erhöhen. Da der hohe Kostenfaktor Mensch aus der Gleichung genommen wird und die Nutzungszeiten der Maschine erhöht werden, sinkt der Teilepreis deutlich. Vielfach ist aber eine Maschinenfähigkeitsuntersuchung notwendig. Für Chiron-Maschinen ist das kein Problem, aber bei unseren früheren Partnern war das häufig nicht oder nur schwer möglich. Ein Komplettsystem war daher oft fehlerhaft und nicht aus einer Hand anzubieten. Früher haben wir teilweise ein hohes Lehrgeld bezahlt mit Maschinenkombinationen, die nicht zusammenpassten und mehr Probleme verursachten, als diese zu beseitigen.

Welche Vorteile bieten sich dem Anwender nun in der Kombination mit Scherer-Drehzentren?
Qualität ist das A und O in der Teilefertigung, insbesondere im Automotivebereich mit teils hochdrehenden Komponenten wie Turboladern oder ähnlichem. Scherer hat eine hervorragende Plattform an kleinen, mittleren und großen Maschinen, die wie in diesem Beispiel die VDZ100DS mit zwei Drehspindeln und einer Chiron DZ12W optimal zu einem automatisierten Fertigungssystem kombiniert werden. So können die Systeme personalentkoppelt 24 Stunden mit konstanter Teilequalität arbeiten.

„Qualität ist das A und O in der Teilefertigung.“
Karl Deufel

Wie verlief die Integration von Scherer in die Chiron-Gruppe?
Vor etwa drei Jahren haben wir etwa 75 Prozent von Scherer übernommen. In Folge haben wir in Alzenau auf der grünen Wiese eine neue Fertigungshalle errichtet und neue Fertigungsstrukturen eingerichtet. Ende 2015 haben wir dann das

Carl Deufel, Chiron2

„Mit unseren Fertigungszellen können nun günstigere Bauteile angeboten werden, bei zugleich höherer Qualität.“
Karl Deufel, Handlungsbevollmächtigter Projektleitung Automotive bei Chiron.

restliche Viertel der Firmenanteile gekauft. Aktuell haben wir bei Scherer 217 Mitarbeiter und setzen die Integration in die Chiron-Strukturen weiter fort. Dazu zählen auch die Servicepositionen weltweit.

Wie wirkt sich das für Chiron aus?
Mit der Integration von Scherer können wir nun hoch präzise drehen. Das hilft uns, stark auf dem Markt aufzutreten und viele Teile besser anbieten zu können als zuvor, weil die Drehbearbeitung mit an Bord ist. Wir können die Bearbeitungskosten drücken und zugleich die Qualität durch weniger Spannvorgänge verbessern. Wir konnten bereits neue Aufträge angehen und werden diese in neuen Geschäftsfeldern weiter forcieren.