Werkzeugmaschinenbau im Wandel: digital, vernetzt, nachhaltig
KI, digitale Zwillinge und Automatisierung verändern den Werkzeugmaschinenbau grundlegend. Präzision allein reicht nicht mehr – Vernetzung, Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft rücken ins Zentrum. Diese fünf Trends prägen die Branche.
Mit dem Tokn hat Heller einen digitalen Zwilling entwickelt, der nicht nur zur Planung, sondern auch als interaktives Trainings- und Testgerät eingesetzt wird.Heller
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Der Werkzeugmaschinenbau befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: Aus isolierten Präzisionswerkzeugen werden vernetzte, datengesteuerte Systeme, die sich in komplexe Produktionsumgebungen einfügen und zugleich strenge Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen müssen. Getrieben von der Digitalisierung, verschärften EU-Vorschriften wie der Ecodesign for Sustainable Products Regulation sowie wachsendem Kostendruck rücken Themen wie KI-gestützte Prozessregelung, digitale Zwillinge, Energieeffizienz und Circular Economy in den Fokus von Entwicklung und Investitionsentscheidungen. Dieser Wandel verändert nicht nur das Design und den Betrieb von Werkzeugmaschinen, sondern auch Geschäftsmodelle, Servicekonzepte und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller. Im Umfeld dieser globalen Entwicklung prägen fünf große Trends die Ausrichtung und Handlungsstrategie der Unternehmen.
Die mobilen Roboter können bis zu neun Stationen in der Fertigung anfahren. Dort übergeben sie das Material an den Produktionsmitarbeiter.Trumpf
Künstliche Intelligenz verändert zunehmend die Funktionsweise moderner Werkzeugmaschinen. Während KI-Systeme früher vor allem zur vorausschauenden Fehlererkennung eingesetzt wurden, verschiebt sich der Fokus zunehmend hin zur adaptiven Prozessregelung in Echtzeit. Die Maschine erkennt beispielsweise während des Fräsens Vibrationen oder thermische Ausdehnung und korrigiert daraufhin selbstständig und in Echtzeit Vorschub und Drehzahl.
Mit dem Cutting Assistant erhalten Anwender beim Laserschneiden die optimalen Parameter für ihr Material. Dafür müssen sie lediglich mit einem Handscanner ein Foto der Schnittkante aufnehmen. Den Rest übernimmt die KI der Anlage.Trumpf
Ein Beispiel liefert der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori. So nutzt der Werkzeugmaschinenhersteller Machine Protection Control (MPC), um Schäden an der Maschine zu verhindern und Prozesse zu optimieren. Ein Beschleunigungssensor an der Spindel überwacht dabei die Vibrationen in Echtzeit. Bei kritischen Werten wird der Vorschub sofort gestoppt, um Lager- oder Werkzeugschäden zu vermeiden.
Auch der Anlagenhersteller Trumpf nutzt KI zur Prozessoptimierung. Der Cutting Assistant des Ditzinger Anlagenherstellers ermittelt Parameter für das Laserschneiden mithilfe von KI selbstständig. Voraussetzung dafür ist ein Bild von der Schnittkante des Bauteils, das der Produktionsmitarbeiter im ersten Schritt mit einem Handscanner aufnimmt. Anschließend bewertet der Cutting Assistant die Kantenqualität anhand objektiver Kriterien wie beispielsweise Gratbildung. Mit diesen Informationen schlägt ein Optimierungsalgorithmus verbesserte Parameter für den Schneidprozess vor. Die Software ist in der Maschine integriert, daher lassen sich die optimierten Parameter ohne Programmieraufwand in die Software übertragen.
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Generative KI hält Einzug in die Werkstatt
Neben klassischen KI-Anwendungen gewinnt generative KI (GenAI) zunehmend an Bedeutung in der industriellen Fertigung. Ihr Einsatz direkt an der Maschine ist ein weiterer Schritt, der den Übergang von der rein analytischen Industrie 4.0 zu einer interaktiven, handlungsorientierten Fertigung markiert. So können Bediener die Maschine per Sprache oder Chat nach Fehlerursachen fragen oder sich Wartungsanleitungen direkt auf das Display oder die AR-Brille projizieren lassen. Ein Techniker fragt beispielsweise: „Warum schwankt der Öldruck?“, woraufhin die KI die Sensordaten der letzten 24 Stunden analysiert und die Lösung inklusive Anleitung liefert.
Der Engineering Copilot TIA führt Engineering-Aufgaben autonom aus.Siemens
Siemens hat mit dem Engineering Copilot TIA einen generativen KI-Assistenten vorgestellt, der es Automatisierungsingenieuren ermöglicht, intelligenter und schneller zu arbeiten. Dazu genügt es, Anweisungen in natürlicher Sprache zu geben. Im Gegensatz zu herkömmlichen Tools, die lediglich Vorschläge machen, führt der Engineering Copilot TIA komplexe Engineering-Aufgaben selbstständig aus. Er generiert und modifiziert Projektelemente automatisch und übernimmt zeitaufwändige sowie repetitive Arbeiten. Anwender können diese Funktionen je nach ihren spezifischen Anforderungen aktivieren oder deaktivieren.
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Digitale Zwillinge als Produktions-backup
Auch der digitale Zwilling wird immer mehr zum Standard. Als virtuelles Abbild einer Maschine spiegelt er beispielsweise nicht nur den Aufbau, sondern auch das Verhalten und die Eigenschaften der Anlage wider. Bevor der erste Span fällt, kann der komplette Prozess virtuell eingefahren werden. Eine Feedback-Schleife ermöglicht es, dass reale Maschinendaten permanent zurück in das Modell fließen, um die Simulation für das nächste Werkstück noch präziser zu machen.
Noch weiter geht die Heller Maschinenfabrik: Mit ihrem Tokn hat das Unternehmen einen digitalen Zwilling entwickelt, der nicht nur zur Planung, sondern auch als interaktives Trainings- und Testgerät eingesetzt wird. Programme werden dabei erst auf dem Tokn, einem haptischen 1:1-abild der Maschinensteuerung, virtuell eingefahren. Die reale Maschine empfängt dann nur noch den optimierten, kollisionsgeprüften code. Alle Bedienfunktionen der Heller-Maschinen sind integriert.
Parallel zur Digitalisierung gewinnt das Thema Nachhaltigkeit rasant an Bedeutung. So macht die seit
Juli 2024 geltende EU-Verordnung für das Ökodesign nachhaltiger Produkte (ESPR)
Maschinenherstellern neue Vorgaben. Im Fokus stehen dabei die Haltbarkeit,
Wiederverwendbarkeit, Nachrüstbarkeit und Reparierbarkeit, Ressourceneffizienz,
Wiederaufbereitung und Recycling, aber auch Informationsanforderungen, wie die Ausweisung
des CO2-Fußabdruckes. Diese Informationen sollen durch die
Einführung digitaler Produktpässe für relevante Akteure des Produktlebenszyklus,
also Verbraucher, Industrie und Behörden, zugänglich
gemacht werden.
Fest
steht: Um ihre Klimaziele erreichen zu können, benötigen die Unternehmen Informationen
über die anfallenden CO₂-Emissionen
von Zulieferprodukten. Dies umfasst sowohl die CO₂-Emissionen, die im Herstellungsprozess als
auch im späteren Betrieb anfallen. Schaeffler
Technologies unterstützt seine Kunden dabei mit einem Emissionsrechner. Er soll mehr Transparenz über den CO₂-Fußabdruck bringen. Mithilfe dieser Werte können die Kunden datenbasiert eine nachhaltige Investitionsentscheidung treffen.
Darüber hinaus wird Retrofitting wichtiger: Hersteller wie DMG Mori, Trumpf, Siemens oder Chiron bieten verstärkt
Programme an, bei denen alte Maschinen mit neuer Sensorik oder KI-Steuerungen
nachgerüstet werden, statt sie zu verschrotten.
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Automatisierung wird umfassender und komplexer
Immer häufiger werden Werkzeugmaschinen zudem mit mobilen Robotern und Cobots kombiniert. Diese bewegen sich völlig autonom in der Werkhalle, finden ihren Weg zur Maschine und beladen diese mit Rohteilen. Dank KI benötigen sie keine Schutzzäune mehr, da sie ihre Umgebung in Echtzeit scannen und auf Menschen reagieren. Darüber hinaus können sie für weitere Bearbeitungsaufgaben wie das Entgraten oder Palettieren eingesetzt werden.
Viele Werkzeugmaschinenhersteller bieten ihren Kunden komplette Automatisierungslösungen an. So setzen beispielsweise Safelog und Trumpf auf eine strategische Partnerschaft, um kleinen und mittelständischen Unternehmen im Bereich Blechbearbeitung den Einstieg in die Automatisierung des Materialtransports zu erleichtern. Dabei transportieren mobile Roboter das Material durch die Fertigung. Steuern lassen sich die Fahrzeuge über eine Web-Anwendung, die auf jedem mobilen Endgerät im Netzwerk des Anwenders funktioniert.
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FAQ – Trends im Werkzeugmaschinenbau
Welche fünf großen Trends prägen den modernen Werkzeugmaschinenbau?
Die Branche wird aktuell von fünf Entwicklungen bestimmt: adaptive KI-gestützte Prozessregelung, der Einsatz von generativer KI direkt an der Maschine, der digitale Zwilling als virtuelles Produktions-Backup, Nachhaltigkeit und Circular Economy sowie eine zunehmend umfassendere Automatisierung durch mobile Roboter und Cobots.
Was versteht man unter adaptiver Prozessregelung und wie setzen Hersteller sie ein?
Bei der adaptiven Prozessregelung erkennt die Maschine während des Betriebs eigenständig Störgrößen wie Vibrationen oder thermische Ausdehnung und korrigiert Parameter wie Vorschub und Drehzahl in Echtzeit. DMG Mori setzt dafür die Machine Protection Control ein, die über einen Beschleunigungssensor an der Spindel Vibrationen überwacht und bei kritischen Werten den Vorschub sofort stoppt.
Wie unterstützt generative KI Maschinenbediener in der Fertigung?
Generative KI ermöglicht es Bedienern, Maschinen per Sprache oder Chat nach Fehlerursachen zu befragen und Wartungsanleitungen direkt auf Display oder AR-Brille einzublenden. Siemens bietet mit dem Engineering Copilot TIA einen Assistenten, der auf Basis natürlichsprachlicher Anweisungen komplexe Engineering-Aufgaben selbstständig ausführt, Projektelemente generiert und repetitive Arbeiten übernimmt.
Welche Anforderungen stellt die EU-Ökodesign-Verordnung ESPR an Maschinenhersteller?
Die seit Juli 2024 geltende ESPR-Verordnung verpflichtet Hersteller, bei der Produktentwicklung Kriterien wie Haltbarkeit, Wiederverwendbarkeit, Reparierbarkeit und Ressourceneffizienz zu berücksichtigen. Außerdem müssen Informationen zum CO₂-Fußabdruck über digitale Produktpässe für Verbraucher, Industrie und Behörden zugänglich gemacht werden.
Wie verändert die Kombination aus mobilen Robotern und KI die Automatisierung in der Fertigung?
Moderne Werkzeugmaschinen werden zunehmend mit mobilen Robotern und Cobots kombiniert, die sich autonom in der Werkhalle bewegen, Maschinen selbstständig beladen und dank KI ohne Schutzzäune sicher auf Menschen reagieren. Trumpf und Safelog etwa bieten gemeinsam Automatisierungslösungen für den Materialtransport an, die sich über eine Web-Anwendung auf jedem mobilen Endgerät steuern lassen.