São Paulo

Verkehrsreich: Brasiliens größte Stadt São Paulo. - Bild: Andre Nery/AdobeStock

Lange Jahre stagnierte Brasiliens Wirtschaft – desaströse Fiskalpolitik und überbordende Korruption hatten das Land in eine tiefe Krise gestürzt. Ausgerechnet eine Regierung mit Parteien aus der Arbeiterklasse hat insbesondere den Industriearbeitern das Leben schwer gemacht. Das Land leidet heute unter einer Arbeitslosigkeit mit rund 12 Mio. offiziell registrierten Erwerbslosen.

Diesjährige Feimec
Die diesjährige Feimec spiegelt den aktuellen Stand der internationalen Maschinenentwicklung wider. Industrie 4.0 (das heißt tatsächlich auch in Brasilien so) ist das beherrschende Thema. - Bild: fertigung

Die aktuellen Konjunkturzahlen indes stimmen optimistisch, die Talsohle der Rezession scheint weitgehend überwunden. Während die brasilianische Wirtschaft sich langsam von der langjährigen tiefen Krise zu erholen scheint, bleibt die politische Lage indes weiterhin instabil. Insbesondere die Ungewissheit bezüglich der dringend notwendigen Rentenreform und, was noch wichtiger ist, die Hoffnung auf einen für die Wirtschaft positiven Ausgang der Präsidentschaftswahlen im Oktober sind ein Hemmschuh für das Wirtschaftswachstum, das ansonsten nach Meinung der Unternehmen und ihrer Verbände deutlich höher ausfallen könnte.

Warten auf den Neubeginn

Baureihe D1000
Während der Feimec stellt Romi die nächste Generation seiner D-Linie vor. Die neue Baureihe umfasst vier Modelle, hier die D1000. - Bild: fertigung

So hält sich die Investitionsfreudigkeit der brasilianischen Unternehmen derzeit noch in überschaubaren Grenzen, was nicht unbedingt nur der politischen Lage geschuldet ist. "Ein weiteres gravierendes Problem sind die derzeit sehr hohen Kosten für Kredite, die es den Unternehmen im Zusammenspiel mit der relativ hohen Steuerlast in Brasilien sehr schwer machen, profitabel arbeiten zu können", erklärt João Carlos Marchesan, Präsident des Verwaltungsrates der Associação Brasileira da Indústria de Máquinas e Equipamentos (ABIMAQ), des brasilianischen Verbands der Maschinen- und Anlagenindustrie.

João Carlos Marchesan
João Carlos Marchesan, Präsident des ABIMAQ-Verwaltungsrats: "Die Rahmenbedingungen der vergangenen Jahre haben es den Unternehmen sehr schwer gemacht, profitabel zu arbeiten." - Bild: ABIMAQ

Auf der Feimec, der internationalen Messe für Maschinen und Ausrüstung in Brasilien, hat der Verband zahlreiche Aktivitäten entwickelt – so wurden gezielt zehn Einkäufer aus fünf Ländern zu einem internationalen "Business Round Table" eingeladen: Sie können in einem gesonderten Bereich auf der Messe Verhandlungen mit brasilianischen Unternehmen führen. Ein sehr erfolgreiches Konzept, das Angebot und Nachfrage sehr gezielt zusammenbringt und sehr gut angenommen wird. Die diesjährige Feimec spiegelt den aktuellen Stand der internationalen Maschinenentwicklung wider. Industrie 4.0 (das heißt tatsächlich auch in Brasilien so) ist das beherrschende Thema, das sich an zahlreichen Messeständen wiederfindet, aber auch in einer Sonderschau, die in einem "Advanced Manufacturing Project" die hochgradig automatisierte Herstellung eines auf den jeweiligen Kunden individualisierten Produkts zu Serienbedingungen demonstriert – bis zur Ausgabe der Ware an den Kunden über einen Cobot.

Meine Meinung

Deutsche Namen sind sehr präsent

Auf der Feimec sind viele deutsch klingende Namen auf den Namensschildern: Gerade in der metallverarbeitenden Industrie sind viele Unternehmer Einwanderer aus Deutschland oder deren Nachfahren. Auch viele deutsche Unternehmen haben nicht nur eine Verkaufsniederlassung in Brasilien, sondern auch Produktionswerke, in denen vor allem für südamerikanische Märkte produziert wird. Andere deutsche Aussteller sondieren den Markt, der künftig wieder lukrative Geschäfte verspricht. Und auch gute Chancen gerade für deutsche Mittelständler. Richard Pergler